Edition und Sprachgeschichte. Tagung an der Universität Basel, 2.−4. März 2005 (Tagungsbericht)

Robert Schöller, Gabriel Viehhauser
2005
Edition und Sprachgeschichte. Tagung an der Universität Basel, 2.-4. März 2005 Vom 2. bis zum 4. März 2005 fand an der Universität Basel die von der Arbeitsgemeinschaft für germanistische Edition (Kommission für die Edition von mittelalterlichen Texten, verantwortlich Thomas Bein) und dem Basler Parzival-Projekt (verantwortlich Michael Stolz) organisierte Tagung Edition und Sprachgeschichte statt. Sie setzte sich zum Ziel, den oft vernachlässigten Dialog zwischen Sprachund Literaturwissenschaft
more » ... zu fördern. Die Notwendigkeit der Erarbeitung eines realistischeren, handschriftennahen Bildes von mittelalterlichen Texten steht in beiden Disziplinen seit einigen Jahren im Mittelpunkt der methodischen Diskussion und hat weitreichende Konsequenzen für die editorische Praxis, die nicht zuletzt durch die Darstellungsmöglichkeiten neuer elektronischer Medien immer besser den theoretischen Ansprüchen zu genügen vermag. Wie Michael Stolz in seiner Begrüßung betonte, zeigt sich vor diesem Hintergrund, daß die für eine Neuorientierung der Germanistik vorgeschlagenen Alternativen ,Rephilologisierung' versus ,kulturwissenschaftliche Erweiterung' keineswegs unvereinbar sind. Der Entwicklung von ,neuer Philologie' zur 'New Philology' und deren Verhältnis zur Sprachwissenschaft war denn auch der Eröffnungsvortrag Kurt Gärtners (Trier) gewidmet. Während in den aufkommenden neuen Philologien des 19. Jahrhunderts sprach-wie literaturwissenschaftlich die ,rückwärtsgewandte Methode' mit dem Ziel der Rekonstruktion einer dem vorhandenen Sprachmaterial voraufgehenden Stufe dominierte, so gelte der 'New Philology' die einzelne Handschrift und der in ihr realisierte Text als historische Größe sui generis. Nachdrücklich wies Gärtner auf die im deutschsprachigen Raum zu einseitige, literaturwissenschaftlich orientierte Rezeption der Postulate Cerquiglinis und auf die damit verbundene Gefahr einer sich erneut vergrößernden Kluft zwischen dem Literaturtheoretiker und dem ,philologischen Handwerker' hin. Welchen Gewinn die Überprüfung des von der Rekonstruktionsphilologie des 19. Jahrhunderts vermittelten Erscheinungsbildes mittelalterlicher Texte durch die Rückbesinnung auf den handschriftlichen Befund bringen kann, wurde am Vortrag von Karin Schneider (Herrsching) ersichtlich, die sich der Entwicklung der Akzentsetzung in mittelhochdeutschen Handschriften widmete. Während Karl Lachmann und Jakob Grimm den oftmals in Textzeugen anzutreffenden unsystematischen Einsatz von Akzentzeichen lediglich als ,Verwilderung' aufzufassen bereit waren, die es zu normalisieren galt, zeigte Schneiders unvoreingenommene Bereitgestellt von | Universitätsbibliothek Bern Angemeldet Heruntergeladen am | 28.12.16 16:44 source: https://doi.org/10.7892/boris.91663 | downloaded: 21.2.2020
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