LIEDERSAMMLUNGEN DES XVI. JAHRHUNDERTS, BESONDERS AUS DER ZEIT HEINRICHS VIII. III

EWALD FLÜGEL.
1903 Anglia. Zeitschrift für englische Philologie  
Das im Balliol College zu Oxford bewahrte Ms. 354 ist ein schmaler oktavband, auf papier geschrieben, und gehört, was seinen inhalt anbetrifft, noch teilweise in die letzten jähre des 15. Jahrhunderts. Das Ms. selbst jedoch wurde zu anfang des 16. Jahrhunderts geschrieben, von Richard Hill, über den wir aus der handschrift selbst einige angaben erhalten (vgl. fol. 17 a, 177 a, s. unten). Warum der neuere katalog die handschrift bezeichnet als 'manu Johannis Hyde, ut videtur praecipue exaratus'
more » ... ermag ich nicht zu sagen, da die handschrift, wenngleich mit verschiedenen federn, und zu verschiedenen *) Fortsetzung zu Anglia XII, 225(1), 585(11). Auf die oben beginnende Veröffentlichung des Balliol Ms. 354, gedenke ich zunächst des Fairfax Ms. (Add. Ms. 5465) und Add. Ms. 5665, ferner Harl. Ms. 2252, Rawlinson G. 813 folgen zu lassen. -Die vorstehenden worte wurden von mir im Juli 1899 niedergeschrieben, und damals auch das Ms. fertig gestellt, aber behufs nochmaliger kollation mit dem originale bei seite gelegt. Im sommer 1900 hat mein kollege dr. Alexis Lange diese nochmalige kollation vorgenommen, wofür ich ihm auch hier meinen besten dank sage. -Die 1901 im c Archiv' erfolgte willkommene Veröffentlichung des Fairfax Ms. veranlasst mich, den fachgenossen meine abschriften der oben genannten handschriften zu freier Verfügung zu stellen, da ich voraussichtlich in den nächsten jähren wenig zeit für nochmalige kollationen meiner kopien und deren herausgäbe haben werde und mir eine möglichst vollständige Veröffentlichung dieser liedersammlungen von sorgfältiger band sehr am herzen liegt [Juni 1901]. Brought to you by | New York University Bobst Library Techni Authenticated Download Date | 5/30/15 2:22 AM EWALD FLÜGEL, LIEDERSAMMLTTNGEN ETC. 95 zeiten, so doch in dem gleichen ductus geschrieben erscheint, und Richard Hill fol. 17 a, sowohl wie auf dem älteren Vorsatzblatt (4b) in der ersten person spricht. Das Ms. besteht aus vier Vorsatzblättern und 253 folgenden blättern, blatt 3 und 4 enthält einen alten index (jetzt ist 4 falsch eingeheftet), blatt l notizen über The cheff places wher ffayrs bee kept in [England], blatt 2 über The grace yat shuld be said affore mete & after mete | All the tymes in the yere; letzteres von Furnivall gedruckt in E. E. Meals and Manners p. 366 seq. Wenn man diese älteren Vorsatzblätter mitzählen würde, wie eine neuere folienzählung thut, dann würde der eigentliche inhalt der handschrift mit fol. 5 a beginnen; ich ziehe vor, der alten folienzählung des ersten besitzers zu folgen. Das Balliol Ms. ist eine Sammelhandschrift, voll der verschiedenartigsten dinge; rechnungen, recepte, historische angaben etc. wechseln ab mit auszügen aus Gower, den Sieben Weisen, volkstümlichen liedern und langathmigen kunstdichtungen von Sir Thomas More etc. Meine aufmerksamkeit wurde vor ungefähr 15 jähren auf dies Ms. gelenkt durch eine kollation des textes der Nutbrown Maid. Ich schrieb die lieder der handschrift ab, kollationierte meine abschrift, und veröffentliche in der festschrift zum 70. geburtstage Rudolf Hildebrands eine Sammlung der weihnachtslieder daraus, und im ersten bände meines lesebuchs eine reihe von anderen liedern.
doi:10.1515/angl.1903.1903.26.94 fatcat:hpcdgymw5zftzhbhyepmqoloxq