Es ist ein Skandal!

2006 PrimaryCare  
Die Demo vom 1. April war nicht nur ein grosser Erfolg. Wir haben auch viel gelernt. Wir haben uns intensiv mit unserem Berufsbild auseinandergesetzt und unsere Ziele und Forderungen betreffend eine gute Aus-und Weiterbildung in der Hausarztmedizin klar formuliert. Der 1. April hat uns Mut gemacht, unser Selbstvertrauen gestärkt und uns motiviert, Ziele und Anforderungen für die Hausärzte im Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts festzulegen. Den spürbar engagierten Workshop-Teilnehmern -unter
more » ... nen befand sich auch Frau Cornelia Oertle-Bürki, Projektleiterin der Arbeitsgruppe «Grundversorgung» der Gesundheitsdirektorenkonferenz GDKist es gelungen, einen kleinen Schritt vorwärts zu gehen. «Die Aus-und Weiterbildung in der Hausarztmedizin in der Schweiz ist ein Skandal.» Es ist ein Skandal, í dass andere ohne unsere Mitsprache über unseren Beruf entscheiden; í dass der Hausarztmedizin die Anerkennung als akademisch-wissenschaftliche Disziplin verweigert wird; í dass es Bestrebungen im BAG (Bundesamt für Gesundheit) gibt, die Hausarztmedizin in die Fachhochschulen auszulagern; í dass die Hausarztmedizin Opfer einer Sparübung («Masterchen der Grundversorgung») werden soll; í dass «nurse practitioners» zukünftig Aufgaben des Hausarztes übernehmen sollen; í dass die Kompetenzen des Hausarztes dauernd beschnitten werden; í dass der Hausarztmedizin die Anerkennung und Würdigung fehlt und ihre Fachkompetenz bestritten wird; í dass die finanziellen und personellen Ressourcen für eine praxisnahe Weiterbildung nicht zur Verfügung gestellt werden; í dass der Mut zu einer breiten Weiterbildung fehlt; í dass unsere Nahtstellenarbeit zwischen Hausarzt und Spital nicht anerkannt wird; í dass auf verschiedenen Ebenen ein Informationsdefizit besteht: -Die Bevölkerung ist schlecht über die hausärztliche Tätigkeit informiert. -Die Politik hat ein verzerrtes Bild und sieht den Hausarzt lediglich als Triagisten. -Die Politik ist sich nicht bewusst, dass der Hausarzt 90% der medizinischen Probleme abschliessend in seiner Praxis behandelt. Unsere Ziele und Forderungen aus diesen skandalösen Begebenheiten Herr Jürg Leuthold, Kantonsrat des Kantons Zürich, empfiehlt als starker Verfechter der Schaffung universitärer Strukturen für Hausarztmedizin ein permanentes Briefing aller Gesundheitspolitiker, um einen guten Informationsstand zu erreichen. Er ist der Meinung, dass bei jeder Gesundheitssendung ein Hausarzt mitreden müsste, um den spezialärztlichen Standpunkt entsprechend relativieren zu können. Die teilnehmenden Hausärzte sind klar der Meinung, dass der Informationsfluss auf allen Ebenen ganz bewusst verbessert werden muss. Um das Verständnis zur Hausarztmedizin zu fördern, fordern sie für jeden Spitalarzt während seiner Weiterbildung ein Minimum an hausärztlicher Tätigkeit in einer Hausarztpraxis. Die Ausbildung an der Universität soll sich zum Ziel setzen, Jungärzte für einen attraktiven Beruf «Hausarzt» zu sensibilisieren. Der moderne «Hausarzt» ist ein Spezialist, der praxisnah (Praxisassistenz) weitergebildet wird und sich durch verschiedene Module die Fähigkeiten erwerben kann, die seiner späteren Tätigkeit entsprechen. Das Erreichen dieser Kompetenzen ist nicht primär eine Frage der Dauer, sondern der Erfüllung klar definierter Lernziele. Um die formulierten Ziele zu erreichen, muss die Hausarztmedizin als akademisch-wissenschaftliche Disziplin anerkannt und durch die Schaffung von Instituten für Hausarztmedizin an allen Medizinischen Fakultäten universitär verankert werden. Die personellen und finanziellen Ressourcen müssen zur Verfügung gestellt werden. Nur ein attraktives Berufsbild, verbunden mit neuen Arbeitsmodellen, welche den eigenen und auch gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechen, wird den drohenden Hausärztemangel verhindern. Die Abstimmung über die Frage «Fühlen Sie sich in der aktuellen GDK-Arbeitsgruppe Grundversorgung durch nur eine Stimme des KHM vertreten?» wird einstimmig mit «Nein» beantwortet. Ziele der GDK Gemäss Frau Cornelia Oertle-Bürki, der verantwortlichen Projektleiterin, wird sich die Arbeitsgruppe «Grundversorgung» der GDK prioritär mit den Fragen Es ist ein Skandal! 1 1 Bericht aus einem Workshop an der SGAM-Kadertagung auf dem Bürgenstock, 4. bis 6. Mai 2006.
doi:10.4414/pc-d.2006.07130 fatcat:jw4fypyfvnbwdnm7gz4nmcutuu