Magnetische Atomfelder und Serienspektren

W. Ritz
1908 Annalen der Physik  
Bekanntlich beziehen sich alle bis jetzt in den Linienspektren gefundenen, einfachen Gesetzewie die Balm ersche Formel, das Gesetz der konstanten Differenzen usw.auf die ,Schwingungszahlen, und nicht auf deren Quadrate. Es liegt hierin fiir die Erkliirung dieser Spektren eine besondere Schwierigkeit, anf die Lord R a y Ieighl) aufmerksam gemacht hat: Venn ein mechanisches oder akustisches System kleine Schwingungen ausfiihrt, so daS die Zeit nur in der Form eines Faktors sinv(t -to) in die
more » ... (t -to) in die Liisung eingeht, so wird dnrch Bildung der Akzeleration, d. h. durch zweimslige Differentiation nach t, der Faktor ua eingeftihrt; die Gleichung, welche die Schwingungszahl v bestimmt, wird also das Quadrat von v enthalten, und es gelingt nur in Ausaahmefdllen, die Schwingungszahlen selbst einfach answdrucken. Lord Rayleigh schlie&t hieraus, dab es sich bei den Spektren vielleicht urn rein kinematische Beziehnngen handle, in welche die Akzeleration nicht eingehe. Wie man sich diese zu denken hiiitte, nnd in welcher Weise man diese Annahme mit der Theorie der Dispersion, des Zeemsneffektes usw., bei welehen die Wiigheitsreaktion eine wesentliche Rolle spielt, in Einklang bringen kannte, ist allerdings kaum einzusehen. Der SchlnB, dat3 zwiachen den fiir den Zustand ma0gebenden QroBen nur Differentidgleichungen erster Ordnung in bezug anf die Zeit bestehen, ISbBt sich aber in anderer Weiee aufrecht erhalten: man hat nur anznnehmen, dab jene Gr6Ben Geschwindigkeiten 1) Lord R a y l e i g h , Phil. Mag. (5) 44. p. 356. 1897. 2) Verfasser hat einige solche, den Spektralgesetzen entsprecbende Fiille untersucht (1naug.-Diss. Gottingen 1903; Ann. d. Phys. 12. p. 264. 1903). Die Komplikation der hierbei niitigen Annahmen, fur die sich eine befriedigende physikalische Deutung nicht hat finden lassen, niitigt wohl, die dort gegebene Theoric fallen zu lassen, und ist eher geeignet, Lord R a y l e i g h s SchluBweise zu stutzen; vgi. Lord R a y l e i g h , Phil. Mag. (6) 11. p. 123. 1906. e H d x e H d y -kax, -k2y, -k 2 z , die sehr klein gegen _ _ _ c d t ' Trtsind, eingefuhrt werden, und schwache Erregung vorausgesetzt wird. 1st fur die in Betracht kommende Bewegung das Feld nur unvollkommen homogen, so resultiert eine Verbreiterung der der Schwingungszahl v = e Hint c entsprechenden Spektrallinie. Die ngchstliegendste Annahme, die man uber den .Ursprung des Feldes H machen kann, ist wohl, es einem Molekularmagneten zuzuschreiben: diese Gebilde spielen ja in der Theorie 1) Vgl. inebeeondere P. Weiss, L'hypothhse du champ molbculaire et la propribth ferromagnhtique, Bull. SOC. Franc. de Physique 1907; Compt. rend. 143. p. 1136. 1906; 146. 1907. 9 et 30 dhcembre.
doi:10.1002/andp.19083300403 fatcat:tkpxt2uhujgv3lcikeci63eirq