Afr. bruisier, fr. gruis, briser, brésiller, grésiller, brise, bise, beser, afr. berser, fr. bois, bûche, it. busto u. a

THEODOR BRAUNE.
1912 Zeitschrift für Romanische Philologie  
Afr. bruisier, fr, gruis, briser, brosi/fer, grosiller, brise, bise, beser, afr, berser, fr. bo/'s, buche, it . busto u. a. Afr. bruiser t bruisier, bruser zerschmettern, zertrümmern, war Diez geneigt auf ahd. *brochisön ,frangere* zurückzuführen, das er wohl einer Bemerkung Grimms (D. Gr. II*, 272): "proch-isönassimiliert proch-osdn" entnahm. Doch ist *brochis6n selbst nicht nachzuweisen, wenigstens führt Schade im Altd. Wb. nur prochosön auf, das ebensowenig wie ersteres das afr. Verbum
more » ... s afr. Verbum ergeben konnte. Körting glaubte im Lat.-Rom. Wb. mit Thurneysen bruiser auf den keltischen Stamm *brüs* zurückleiten zu dürfen, und auch Meyer-Lübke stellte es zu gall. brüsi »zerbrechenS doch stimmt keines von den Wörtern, die Stokes im Urkelt. Spr. unter der Wz. *brü$ »streifen, verletzen* anführt, lautlich recht zu bruiser, weder ir. bruim ,ich zerschlage', zu dem er wie Torp im Wb. d. g. Spr. eine Grundform *brüsio erst ansetzt, noch bruithea, bruach, bruar, bruan oder brurech. Im Et. Wb. d. fr. Spr. hat Körting noch auf eine andere Erklärung hingewiesen: unter bruisiner ,Malz schroten* bemerkt er, dies sei abgeleitet vom afr. bruiser, das vermutlich anderen Ursprung als briser habe und mit dem gleichbedeutenden ags. brysan im Zusammenhange stehen dürfe. Mit bruiser hatte schon Diez das engl. bruise ,zermalmen, (zer-)quetschen, schroten, grob mahlen, Beulen schlagen, 2 braun und blau schlagen, zerschlagen, zerstofsen, boxen', das auf ags. brysan zurückgeführt werde, verglichen, doch ist das eng]. Wort eher selbst a)s Entlehnung aus dem afr. bruiser anzusehen (s. auch Skeat, A concise Etym. Dict.); wenigstens erscheint ags. y im Englischen sonst nie als ui, sondern abgesehen vom Auslau t, wo y bleibt (vgl. by> my u. a.), als (vgl. bride = bryd, fire = fyr, mise PL = mys, mengl. brisen, das sich neben brusen findet, = brysan). Das ags. brysan selbst kann nicht die Quelle des fr. Wortes sein, es läfst aber auf ein germ. * brüsi an schliefsen, das auch Torp unter einer germ. Wz. *brus ansetzt, und zu einer solchen 1 Auch Thomas im Dictionnaire gonoral s. v. briser verweist auf kelt. briu. 1 Vgl. engl. bruise Quetschung, Beule, Buckel, Schlag, Stofs, bruiser Schleifschale, Schrotmühle, Boxer, engl. bruise-wort (auch brise-wort wie brist = bruise), Name von Pflanzen, die angeblich für Beulen heilsam sind. Zcitschr. f. rom. Phil. XXXVI. 45 Brought to you by | New York University Bobst Library Technic Authenticated Download Date | 5/31/15 5:05 AM ? THEODOR BRAUNE, germ. Bildung stimmt das afr. bruisitr, bruiser lautlich und begrifflich. Das ags. brysan steht nicht ohne Anhang da. In seine Begriffssphäre fallen zunächst an lautlich verwandt erscheinenden Bildungen nd. brus Brausche, Beule, 1 und ein hd. Braus (Ziegelbraus) bei Grimm, D. Wb. II, 329, in der seltenen Bedeutung von Graus, Grau/s (= mhd. gru%) d. i. ,Schutt', eig. ,Zertrümmertes', ferner ags. brosnian gebrochen werden, ostfries. bros mürbe, spröde, zerbrechlich, hess. brose Krume, auch brösel, vb. bröseln (auch obd.), vcr-bröseln krümeln, bröckeln, auch ahd. brosama, brosma, nhd. brosme, mnd. broseme Brosame, Krume, falls ihr o kurz ist, wie Grimm und Schade annehmen (s. auch Torp unter brut S. 281), während Kluge und Walde (s. auch Weigand 5 ) es für lang halten. Zu der in diesen Bildungen zutage tretenden Wz. *brus gehören aber noch andere, als deren bekanntester Vertreter das mhd. brusen > nhd. brausen^ gilt, mit sbst. mhd. brus Brausen, Lärm, Tosen, Tumult, Zank, Streit (ze bruse gehen stürmen, zanken), hd. Braus, Ge-braus. Heyne und Sanders bezeichnen brüsen als ein Ton wort, wie auch viele Dichterstellen zu beweisen scheinen. Es malt im Gegensatz zu sausen (das mehr das sausende, pfeifende Geräusch stark bewegter Luft wiedergibt) das vollere, stärkere Geräusch grofser Wassermassen, die sich in starker Strömung befinden und brechen, 3 oder das Geräusch, das der Wind in den Bäumen, Segeln und Tauen verursacht, dann aber auch andere . BRUISIER, FR. GRU1S, BRISER U. A. Geräusche, die dem Lautgebilde *brus ähnlich klingen. 1 So spricht man vom Brausen des Meeres und der Wellen, des Sturmes, des Blutes in den Adern und Ohren, des Brausepulvers, der Brauseerde, des Wassers, das durch die Brause geht, vom Brausen des siedenden Kessels, des schäumenden Wassers, des gährenden Bieres. 2 Aus dem Begriffe des Brausens, Schäumens und Gährens entwickelt sich dann der des Sich-Blähens und Schwellens, Sich-Bauschens, des Üppigseins und der Üppigkeit (s. S. 706 A. 2). Ist aber die Wz. *brus in diesen Fällen tonnachahmend, dann werden wir auch ebenso in dem ags. brysan eine tonnachahmende Bildung sehen müssen, die ein Geräusch malt, wie es ein poröser Körper beim Zertrümmern von sich gibt, und ihr die Bd. ,mit brüs-ähnlichem Klange zerschmettern, zertrümmern, zermalmen*, zuschreiben können. Die deutschen Mundarten sind reich an solchen schallnachahmenden Bildungen. Eine lautlich sehr ähnliche Wz. wie die eben besprochene *brus ist die Wz. *grus mit ostfries. grusen ein knirschendes Geräusch machen, einen harten Gegenstand reibend und knirschend durch Druck, Stofs oder Schlag zerkleinern und zerbröckeln oder in Grus zerfallen, nd. grusen knirschen, grusen zerreiben, -bröckeln, nid. gruizen (= fr. gruger, tgruger*), schwed. grusa, mit sbst. ostfries. mnd. nd. grus, schwed. norw. dän. grus Gries(sand), Schutt, hd. Graus Steinschutt (das sich mit hd. Grau/s = mhd.grüg, ostfries. grut, nid. grut gruyt mischt, s. S. 706) und nid. grui'Sy eine Bildung, von der vielleicht das piem. grus (» germ. *grtis] und fr. gruis (-mnld. grüys, nid. gruis), die Diez und Körting zu ahd. crusc* Kleie, it. crusca stellen wollen, stammt. Wie nun aber dieser genügend bezeugten Wz. *grus eine im Ablaut dazu siehende Wz. gris (s. unten A. 3) zur Seite steht in ahd. gris-cramon, mnd. gris-gramen mit den Zähnen knirschen, ostfries. g r iselen stark drückend reiben, mnd. gris Kiessand, grober Sand u. a., so gibt es auf germ. Boden neben der oben besprochenen Wz. *brus noch eine Wz. *bris, die ein helleres Geräusch als jene malt. Auch im Keltischen liegt eine Wz. *t>ris vor im gael. bris vb. to break, sbst. Bruch, ir. brisim, altir. brissm, bret. bresa zerknittern, (zer)quetschen, pressen, drücken, und auf diese kelt. Wz.
doi:10.1515/zrph.1912.36.6.705 fatcat:qo7ppbpcefcc3gvlfktzcusrpe