Rudolf Lehmann: Geschichte der Niederlausitz

Josef Joachim Menzel
1966
Besprechungen Xi vorgenommenen Akzentveränderungen kennzeichnet wohl am besten das Fehlen des früheren Untertitels: "Der Schicksalsweg einer ostdeutschen Landschaft und ihrer Menschen". Ohne Abstriche in der Sache vorzunehmen, sind da und dort zeitverhaftete bzw. wenig präzise Formulierungen fallen gelassen und durch treffendere, wissenschaftlichere ersetzt worden ("Ostbewegung" statt "Ostkolonisation" oder ""Wiederbesiedlung", "Landschaft" statt "Heimat" u. ä.). Der sorbische Anteil an der
more » ... e Anteil an der Bevölkerung und Gestaltung des Landes und seiner Kultur erfährt so eine ungeschmälerte Würdigung. Das Werk beginnt einleitend mit der Beschreibung von Land, Boden und Klima. Sodann wird in 11 Kapiteln, die sich -mit zwei Ausnahmen, welche den inneren Verhältnissen im 16. Jh. und der Kirche und Kultur in der Reformationszeit gewidmet sind -nach der politischen Herrschaftszugehörigkeit der Niederlausitz abgrenzen, die Darstellung von der vorgeschichtlichen Frühe bis zum Schicksals jähr 1945 geführt. Hierbei werden jeweils äußere Geschichte, Verfassung, Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirche und Kultur behandelt. Für den Leser der "Zeitschrift für Ostforschung" dürften von besonderem Interesse die gerafften, trefflichen Ausführungen über die Lausitzer Kultur und das damit eng verknüpfte Illyrerproblem sein, sowie über Art und Verlauf der deutschen Siedelbewegung, die ein Torso blieb und nur an den Rändern und in den Städten sogleich stärker durchdrang, ferner über Schicksal und Entwicklung der sorbischen Bevölkerung, über die Ausbildung der Gutsherrschaft und nicht zuletzt über das eigentümlich ausgeprägte Ständewesen. Besonders verdienstvoll ist weiterhin die klare Herausarbeitung der im allgemeinen wenig bekannten tiefgreifenden Unterschiede zwischen der Ober-und Niederlausitz und ihrer Begriffe. Das neu hinzugekommene Schlußkapitel: "Die Niederlausitz in preußischer Zeit" (1815-1945) besitzt trotz seines Umfangs von nahezu 200 Seiten naturgemäß nur Übersichtscharakter. Es vermittelt einen plastischen Eindruck von der auch im brandenburgischen Verbände fortbestehenden Eigenart des Landes. Deutlich tritt auf der einen Seite der mit großen Veränderungen verbundene Aufschwung infolge von Industrialisierung und besserer verkehrsmäßiger Erschließung im 19. Jh. hervor, während auf der anderen die Verkümmerung des Ständewesens sowie der zahlen-und bedeutungsmäßige Rückgang des Sorbentums ins Auge fallen. Ohne daß das letztere in seiner freien Entfaltung nennenswert behindert worden wäre, machte es vor dem Kriege nur noch etwa 3 v. H. der Niederlausitzer Gesamtbevölkerung aus. Insbesondere die Darstellung dieses letzten Kapitels ist neben vielen Einzelschilderungen reichlich mit Statistiken und Tabellen durchsetzt. Doch werden daneben auch die neueren politischen, sozialen und kulturellen Zeitströmungen nicht vernachlässigt. Das bewegte Gesamtbild zeigt die Niederlausitz als ein von ihren Nachbarn stets begehrtes, häufig umstrittenes, frühzeitig der Zersplitterung anheimfallendes, wirtschaftlich jedoch wenig bedeutsames und kulturell eher rückständiges Rand-und Nebenland, als Außenbezirk, der nie ein größeres Eigengewicht besaß und keine selbständige Herrschaft zu bilden vermochte. Ihre Bedeutung lag in ihrer geographischen Lage. Das erwies sich besonders immer dann, wenn sie als Zwischen-oder Bindeglied diente, z. B. zwischen Sachsen
doi:10.25627/19661521562 fatcat:7whnmtihvvbmndlytfs3fdbu5e