Afghanistan – Ein langer Weg zur Rechtsstaatlichkeit

Julia Pfeiffer
2010 S+F. Sicherheit und Frieden. Security and Peace  
S+F (28. Jg.) 3/2 010 | 175 kung. Schließlich handelt es sich hier um einen Fall, der von den politischen Eliten in den westlichen Ländern als zentral für die eigene Sicherheit verstanden wird und für dessen Lösung die internationale Gemeinschaft bereits massive Ressourcen aufgewendet hat. Wenn nun selbst dieses Land in einem Zu stand zurückgelassen würde, der höchstwahrscheinlich eine katastrophale Menschenrechtssituation nach sich zöge, würde nicht zuletzt die Aussicht auf ein Eingreifen
more » ... ner Akteure in jenen Situationen sinken, in denen diese über keine eng verstandenen Sicherheitsinteressen verfügen. Zudem würde ein solcher Rückzug die ganz essentielle Frage aufwerfen, wie viel der "internationalen Gemeinschaft" und vor allem den li beralen westlichen Demokratien die vielgepriesenen liberalen Werte tatsächlich wert sind. Sollte in Afghanistan also etwas zu Grabe getragen werden, dann könnte dies die westliche Über zeugung sein, dass der "liberale Moment" aktiv durch Weltord nungspolitik getragen und unterstützt werden sollte. Er wäre dann tatsächlich nur ein "Moment" gewesen. Abstract: Since 2001 the international community supports the Afghan state in building the rule of law in the country. Although some progress has been made, the rule of law is still weak. However, as the paper shows, the situation of decreasing security and lack of the rule of law are interrelated and affect each other in a negative way. Therefore, strengthening the rule of law should be the priority in the ongoing statebuilding process. As long as the Afghan government cannot provide a stable and secure environ ment based on the principles of the rule of law, reconciliation and peace cannot be achieved. Afghan authorities must finally start to accept and implement the concepts of rule of law by ceasing injustice, impunity and corruption throughout the country. The new "Prioritization and Implementation Plan", which the Afghan government presented on the International Kabul Conference in July 2010, may be a first step in this direction.
doi:10.5771/0175-274x-2010-3-175 fatcat:ur2rtcqumvhizjhct22tnrb77y