Gefahren der Blasenmole2)

1917 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Der vorgestellte Fall betrifft eine 30 jährige kräftige Fiau, die nach zwei normalen Entbindungen im Dezember 1914 zum dritten Male schwanger wurde. Im Februar 1915 treten starke Blutungen ein; daher klinische Aufnahme, usräumung einer Blasenmole, gründliche Abrasio. Nach kurzem Intervall erscheint Patientin wieder im April 1915 mit der Angabe, daß unregelniäßige Blutungen eingetreten wären. In der Kiinik wird (1er Abgang von Blasen beobachtet. Es handelt sich also um ein Rczidiv der Blasenmole
more » ... idiv der Blasenmole im Uterus; erneute Ausraumung. Die am Schluß der Operation ausgeführte Tastung ergibt einen leeren, gleichmäßigdicken Uterus, keine isoliertenWandverdickungen oder Defekte. Die Frau entzieht sich hierauf zunächst unserer Beobachtung, bis sie im Juni 1916 durch starke Blutungen zur erneuten Aufnahme gezwungen wird. Seit der letzten Operation soll dauernd blutiger Fluß bestanden haben, der alle zwei bis drei Wochen durch heftige Blutung unterbrochen wurde. Die letzte dauert bereits 14 Tage. Trotz dieser Vorgeschichte besteht nur mäßige Anämie, Allgemeinzustand gut. Herz, Lungen ohne Besonderheiten. Im Unu Spuren von Albumen. Der Uterus körper ist kinclskopfgroß, er ladet nach links aus und sitzt auf langem, 1) Zbl. f. Chir. 1913 Nr. 26. Vortrag im Greifswalder Medizinischen Verein ani il. XI. 1916 (Nr. 9/1917). erweichtem Halse, sodaß die Frage einer erneuten Schwanger. schaft ernstlich erwogen wird, zumal Farbe der Portio, Pigmentierung und Kolostrum dafür sprechen. Ruhigstellung des Genitaltraktus durch Opiate bleibt ohne Erfolg, die Blutung dauert an. Daher erfolgt am 29. Juni 1916 nach Dehnung des Zervikalkanals die Austastung des Uterus. Das Kavum ist erfüllt mit schwammigen Tumormassen. Die sofort eintretende Blutung wird durch einen Tampon gestillt; sofortige Umlagerung zur Laparotomie (Faszien-Querschnitt). Abklemmung der zuführenden Gefäße. Rasche und glatte Totalexstirpation des Uterus. Das linke, von Luteinzysten durchsetzte Ovarium wird mit' der Tube entfernt, die rechten Adnexe bleiben erhalten. Rekonvaleszenz glatt, primäre Heilung. Die Frau erholt sich überraschend schnell und ist bisher frei von Metastasen geblieben. Der entfernte Uterus hat eine Länge von 16 cm, eine Breite von 11,8 cm und eine Dicke von 7,5 cm. Das Kavum ist ausgefüllt mit zundrigen, rostbraunen Geschwulstmassen, die der ganzen Innenwand des Korpus wie eine enorm verdickte, wulstige Schicht anfliegen und, grob verglichen, einer durchbluteten Plazenta gleichen. Im Fundus dringen Ausläufer und Vorposten des Geschwulstgewebes in die Wand ein und reduzieren hier das Muskelgewebe auf eine 3 mm dünne Restschicht. Offenbar ist hier eine Perforation in den Bauchraum in Vorbereitung ge wesen. Mikroskopisch zeigt der Tumor alle Eigenschaften des von L. F r a enkel (Breslau) in seiner Wesensart erkannten Chorionepithelioma malignum, und zwar haben wir es mit einer Form zu tun, die später von Marchand als sogenanntes atypisches Chorionepitheliom bezeichnet worden ist. Es sind zwar neben den stellenweise sehr mächtigen Synzytiumformationen Geschwulstzellen anderer Art vorhanden, die sich als kleine, rundliche, oder polygonale, dunkel gefärbte Zellen mit chromatinreichem Kern präsentieren. Es fehlen aber die typischen blasigen Langhans-Zellen mit ihrer klaren Strukturzeichnung. Dagegen ist die vasotaktische Eigenschaft des Geschwulstgewebes ausgeprägt, insofern, als überall Arrosion der Gefäße und Durchsetzung der Metastasen mit Bluträumen zu erkennen ist. Residuen von Zottenresten sind nicht mehr nachzuweisen. Chorionepitheliotna malignum uteri. 16 Monate nach Entfernung einer Blasenmole bei einer l6jähr. hip. Operativ gewonnen. Heilung. Es handelt sich somit um eine maligne Blasenmole, die zunächst als Mole, später aber als ausgesprochenes Chorionepitheliom rezidivierte. Wenn die Neubildung auch bisher auf den Uterus lokalisiert geblieben ist, so beweist doch die bevorstehende Perforation nach der Bauchhöhle die Bösartigkeit der Geschwulstbildung. Der Fall ist insofern bemerkenswert, als wiederum durch die histologische Untersuchung der Blasenmole und des Molenrezidivs kein Anhalt zur Erkennung der Malignität gewonnen werden konnte. Alle Forscher sind darüber einig, daß die Diagnose der Malignität nur im Zusammenhange mit den klinischen Beobachtungen gestellt werden kann. Man hat daher für die zweifelhaften Fälle den Begriff der relativen Malignität aufgestellt und für die Nachbeobachtung der an Blasenmole. Erkrankten eine bald kürzer, bald länger bemessene Frist als erforderlich hingesteilt. Heute wissen wir, daß diese Frist nicht nur auf Monate, sondern auf Jahre und Jahrzehnte 452 DEUTSCHE MEDIZINISCHE WOCHENSOHRIFT. Nr. 15 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1144406 fatcat:eiim7q7j2fbq7dawnbhlqz3tla