Rezension von: Barbara Cifola: Analysis of Variants in the Assyrian Royal Titulary

Karen Radner
2000
193 S. mit 26 Tabellen. 16,9 24 cm. Dieser Band ist die überarbeitete und aus dem Italienischen ins Englische übertragene Fassung einer Dissertation, die in den Jahren 1989-91 am Orientalischen Institut der Universität Neapel verfaßt wurde. Daß bei der Untersuchung der Varianten in der Titulatur der assyrischen Könige nur die Inschriften der Könige vom Anfang des II. Jts. bis 722 v. Chr. berücksichtigt, die Inschriften Sargons II. und seiner Nachfolger aber vernachlässigt wurden, begründet die
more » ... utorin in ihrem Vorwort damit, daß eine Evaluierung des gerade für die Sargonidenzeit so besonders reichhaltigen Materials in der für ihre Forschungen zur Verfügung stehenden Zeit unmöglich war; sie kündigt jedoch einen weiteren Band über die Königstitulatur der Sargonidenkönige an. Der Autorin konnte für die Inschriften der Könige bis einschließlich Assurnasirpal II. auf die Neueditionen in RIMA l und RIMA 2 zurückgreifen und bedient sich der dort verwendeten Numerierung der Texte; für die Inschriften Salmanassars III. (Kapitel 13), seiner während der "period of crisis" des Reiches regierenden Nachfolger (Kapitel 14) und Tiglath-pilesers III. (Kapitel 15) gebraucht sie eine eigene Numerierung (s. S. 111 Anm. 1), die aber aufgrund der am Ende eines jeden Kapitels beigegebene Konkordanzen mit den wichtigsten Publikationen recht einfach mit den neuen Editionen dieser Inschriften in RIMA 3 (1996) und in H. Tadmor, The Inscriptions of Tiglathpileser III King of Assyria (1994), in Übereinstimmung gebracht werden kann. Die Arbeit beginnt mit einer kurzen, aber fundierten Einleitung (S. 1-16). Zunächst wird die der Arbeit zugrunde liegende Methodologie referiert. Cifola führt einen Ansatz M. Liveranis fort, der mit seiner Studie zur Königstitulatur Sanheribs (Ass. Royal In scriptions: New Horizons [1981] 225-257) Pate für die Arbeit Cifolas stand. Der Untersuchung der Königstitulaturen nach Liveranis Vorgaben liegt einerseits die Theorie zugrunde, daß sie eine ideologische Botschaft enthielten, weswegen aus ihnen "basic data for the definition of the very idea of kingship" (S. l) zu gewinnen sei. Andererseits sei sowohl der Wahl der ursprünglichen Königstitulatur wie auch ihrer Abänderung im Laufe der Regierungszeit eines Königs eine historische Bedeutung immanent; die historische Entwicklung Assyriens sei damit in den Änderungen in der Königstitulatur, insbesondere innerhalb der Regierungszeit eines Königs, faßbar. Sodann bespricht Cifola frühere Arbeiten zum Thema, wobei die Unterschiede zu Liveranis Ansatz herausgestrichen werden; daß das Hauptaugenmerk auf die Entwicklung der Königstitulatur innerhalb der Regierungszeit eines Königs gelegt wird, anstelle einer diachronischen Betrachtungsweise, ist dabei am wesentlichsten. Es folgt eine Diskussion der Termini "Titel" und "Epitheton" und die Begründung der Unterteilung der Epitheta in die Kategorien "religiös", mit den Subkategorien "Pietät" (r-p) und "Gottesgnadentum" (r-c), und "säkular", mit den Subkategorien "Triumph über den Feind" (m-t) und "Heldentum" (m-v); dazu kommen noch die Kategorien "imperialistisch" (i), "Der gute Hirte" (p), "weise" (s), "dynastisch" (d) und "Bauherr" (b). Danach bespricht Cifola kurz ihre Quellen; neben den Königsinschriften gebraucht sie für ihre Untersuchung auch zusätzliches Material sowohl offizieller wie auch privater Natur, um festzustellen, welche Titel allgemein akzeptiert wurden und ob eine Verbindung zwischen Titelwahl und Texttypus besteht. Schließlich weist sie auf einige interessante Themenkreise hin, die aufgrund der beschränkten, ihr zu Gebote stehenden Zeit nicht behandelt werden konnten. Neben der chronologischen Einschränkung des Materials bedauert sie es, die Verbindungen zwischen der assyrischen und der babylonischen Königstitülatur, die Übereinstimmung Zeitschr. f. Assyriologie Bd. 90, S. 158-159 Dieses Buch versteht sich als Folgeband zu J. Curtis (ed.), Early Mesopotamia and Iran. Contact and Conflict c. 3500-1600 BC (London 1993). Wie schon bei diesem Werk handelt es sich um eine Sammlung von vier Vorträgen, die anläßlich eines Seminars zum Gedenken an den russischen Iranspezialisten Vladimir G. Lukonin im Britischen Museum gehalten wurden. Am 14. Juli 1993 sprachen Agnes Spycket, Peter Calmeyer, Louis Vanden Berghe und Michael Roaf im Rahmen des fünften Seminars zu Ehren des 1984 verstorbenen Kurators der Orientalischen Abteilung der Eremitage in St. Petersburg, einem Termin, der nicht zuletzt auch wegen der am Tag zuvor erfolgten Eröffnung von drei neu ausgestatteten Räumen im Britischen Museum, den sogenannten Raymond and Beverly Sackler Galleries of Later Mesopotamia and Anatolia, gewählt wurde. Der reich illustrierte Band beginnt mit einem Vorwort (S. 10-14) des Herausgebers, in dem die Geschichte der Lukonin-Seminare erläutert und die vier Vortragenden vorgestellt werden. Es folgt eine kurze Einführung (S. 15-24), in der der Herausgeber die wichtigsten Eckdaten für Mesopotamien und Iran von der Plünderung Babylons durch die Hethiter 1595 v.Chr. bis zur persischen Eroberung Babyloniens 539 v.Chr. sowie die Forschungsgeschichte referiert. Sodann bespricht A. Spycket in ihrem Beitrag "Kassite and Middle Elamite Sculpture" die Plastik Babyloniens und Irans vom 16. bis zum 12. Jh. v.Chr., geordnet nach den thematischen Gruppen "royal sculpture", "popular sculpture" (d.h. Terrakottafigurinen) und "funerary sculpture" (S. 25-32). P. Calmeyer spürt in seinem Beitrag "Middle Babylonian Art and Contemporary Iran" den kulturellen Einflüssen Babyloniens in Iran von der Kassitenzeit bis ins 10. Jh. v. Chr. nach; dabei bespricht er zunächst die Wegeverbindungen und wendet sich dann den wichtigsten Mesopotamiaca zu, die in Iran gefunden wurden (S. 33-45). Der Beitrag von L. Vanden Berghe und A. Tourovets (vgl. S. 10 für die Genese des Aufsatzes), "Excavations in Luristan and Relations with Mesopotamia", ist den eisenzeitlichen Gräberfunden der zwischen 1965 und 1979 durchgeführten belgischen Ausgrabungen in Pus-i Kuh in Luristan gewidmet, wobei die engen Beziehungen zu Assyrien betont werden (S. 46-53). l M. Roaf geht in seinem Beitrag "Media and Mesopotamia: History and Architecture" auf die Beziehungen zwischen den Medern und Mesopotamien ein; er führt zunächst in die geographischen Großräume ein, referiert dann die historischen und archäologischen Quellen und bespricht schließlich die archäologisch faßbaren, baulichen Hinterlassenschaften der Meder in Tepe Nus-i Gan und Godin Tepe im heutigen Iran, in Teil Gubba im Iraq und in Tille Höyük in der Türkei (S. 54-66). Der Band wird von einer Bibliographie (S. 67-71) und dem aufwendigen Tafelteil beschlossen.
doi:10.5282/ubm/epub.25064 fatcat:x66imcxeundm5ddpqiytayouge