Zur Kenntniss des Ammoniaksodaprocesses

H. Schreib
1889 Angewandte Chemie  
Im vorigen Jahre habe ich an dieser Stelle (Z. 1888 S. 283) in einer Abhandlung über die chemischen Vorgänge beim Ammoniaksodaprocess kurz angeführt, dass es möglich ist, die bei der Carbonisation entstehenden Chlornatrium-Chlorammoniumlaugen, welche für gewöhnlich nur zur Wiedergewinnung des Ammoniaks destillirt werden und dann mit dem in ihnen enthaltenen Kochsalz verloren gehen, derart zu regeniren, dass sie nach Abscheidung von Ammonchlorid direct wieder in den Process eingeführt werden
more » ... ngeführt werden können. Diese Regeneration geschieht durch Behandlung der betreffenden Lösungen mit festem Kochsalz unter gleichzeitiger Einleitung von Ammoniumcarbonat bez. Ammoniak und Kohlensäure, wozu noch möglichst starke Abkühlung kommt. Hierbei geht Kochsalz und Ammoncarbonat in Lösung und Ammonchlorid scheidet sich ab. Die verschiedenen Reactionen, auf denen das mir patentirte Verfahren zur Regenerirung der Abfalllaugen beruht, sind also: 1. Chlornatrium wirkt auf concentrirte Chlorammoniumlösungen in der Weise ein, dass Chlorammonium ausgefällt wird, während sich Chlornatrium löst. Diese Wirkung geht so weit, bis auf 1 Mol. Chlorammonium sich wenigstens 1 Mol. Chlornatrium in Lösung befindet. 2. Ammoncarbonat wird von derartigen gemischten Lösungen in grosser Menge aufgenommen, wodurch eine Abscheidung von Ammonchlorid bewirkt wird. 3. Kälte scheidet aus den so erhaltenen Lösungen noch weiter Ammonchlorid ab; die entstehende Flüssigkeit ist dann fähig, wieder Kochsalz aufzunehmen. In der Praxis werden diese drei Reactionen zusammen benutzt, wobei sich verschiedene Combinationen anwenden lassen. Dieselben werden bedingt durch die Reihenfolge, in welcher die drei Operationen vorgenommen werden. Die Regel ist, dass die zu regenerirende Flüssigkeit zuerst mit Natriumchlorid und Ammoncarbonat behandelt wird und hierauf die Abkühlung erfolgt. Die Art der Ausübung des Verfahrens werde ich nachher besprechen und zuerst die Wirkung der einzelnen Reactionen durch Beispiele erläutern.
doi:10.1002/ange.18890021602 fatcat:fny35fmqybbrremcnhzceki45q