Dictynna Revue de poétique latine

Jürgen Schwindt
2016 unpublished
Éditeur Université Lille-3 Référence électronique Jürgen Paul Schwindt, « Die Philologie von unten. Das athematische Lesen und der retour sur soimême », Dictynna [En ligne], 13 | 2016, mis en ligne le 20 décembre 2016, consulté le 10 janvier 2017. URL : http://dictynna.revues.org/1311 Ce document a été généré automatiquement le 11 janvier 2017. Les contenus des la revue Dictynna sont mis à disposition selon les termes de la Licence Creative Commons Attribution -Pas d'Utilisation Commerciale
more » ... ion Commerciale -Pas de Modification 4.0 International. Die Philologie von unten. Das athematische Lesen und der retour sur soi-même Jürgen Paul Schwindt Für Alain Deremetz, den Liebhaber der katabatischen Muse(n) 1 1 Man kann in diesen Tagen und Wochen in Deutschland eine Erfahrung machen, die für Vertreter einer mittleren Generation, also diejenigen unter uns, die zu jung sind, um 68 als einschneidendes Erlebnis erfahren zu haben, und doch alt genug, um Vergleiche anstellen zu können, einigermaßen neu und ungewöhnlich ist. Genau genommen, ist es eine doppelte Erfahrung, die man machen kann, wenn man an einer deutschen Universität im Herbst 2015 über etwas spricht, über das wir, glaube ich, sprechen müssen, wenn wir uns über "Prinzipien und Methoden" der klassischen und modernen Literaturwissenschaften verständigen wollen: Ich meine die Philologie. Da sitzt eine kleine Gruppe von Germanisten, Anglisten, Romanisten, Slavisten und Klassischen Philologen zusammen und will etwas gemeinsam machen. Jemand schlägt vor, man solle etwas zum Traditionsgedanken und, da der Traditionsgedanke, wie das Wort ja schon sagt, etwas sehr Europäisches sei, zu Europa machen. Schnell kommt der Einwand, Traditionen gebe es schließlich auch und gerade außerhalb Europas; auch sei es einigermaßen kühn, in einer Phase, da Europa sich unter dem Einfluß gewaltiger Migrationsbewegungen zu wandeln beginne, alteuropäische Traditionsbestände zum Thema eines gemeinsamen Forschungsunternehmens zu machen. Das sei doch etwas konservativ. Die Rückfrage, wer im Raum Hindi, Mandarin, Urdu oder das klassische Südarabisch spreche, verhallt ungehört. Nun gut, besinnen wir uns auf den kleinsten gemeinsamen methodischen Nenner, die Philologie. Aber nein, ist das nicht auch viel zu eng gedacht? Ist "philology" im angloamerikanischen Raum nicht geradezu peiorativ besetzt? Und dient das Label der "Philologie" nicht auch gerade in Deutschland vielen dazu, ihre Ideen von Weltflucht und kontemplativer Gegenstandsbehandlung zu pflegen? Die Philologie von unten. Das athematische Lesen und der retour sur soi-même Dictynna, 13 | 2016 8 Wir sehen, wie "richtige", intersubjektiv nachvollziehbare Positionen wie die von Christoph König und Julika Griem in ein falsches Licht rücken und vielleicht auch in Teilen "unrichtig" werden, wenn sie verkürzt dargestellt werden -verkürzt um die Rechenschaftslegung oder Selbstaufklärung des philologischen Verfahrens 6 . König rekurriert häufiger auf Autoritätsmomente (die Autorität der Tradition, der Autoren und Die Philologie von unten. Das athematische Lesen und der retour sur soi-même Dictynna, 13 | 2016
fatcat:y6gomtxrx5azrjfiknor3unou4