Eine Frage der Ehre. Militär und höfische Repräsentation unter Friedrich dem Großen

Prinz Heinrich, Karoline Zielosko
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Innerhalb der repräsentativen Strategien kam dem Militär im friderizianischen Preußen eine besondere Funktion zu: Sowohl der königliche Feldherr als auch sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich nutzten die militärische Bühne zur Selbststilisierung und eigenen Positionierung. Friedrich bediente sich der militärischen Formensprache zur Rollenbestimmung als roi-connétable und richtete den Blick dabei nicht allein auf die europäischen Höfe, sondern vornehmlich auch auf das eigene Offizierskorps. Prinz
more » ... izierskorps. Prinz Heinrich dagegen wusste sich im Bereich des Militärischen und Militärisch-Repräsentativen immer wieder von seinem königlichen Bruder zu distanzieren und deutliche Kritik zu signalisieren. Weit mehr als seine Rolle als Prinz von Geblüt gestattete ihm die Funktion als preußischer Heerführer, den König herauszufordern und die eigene Position innerhalb des preußischen Herrschaftsgefüges auszuloten. Auch die Maßnahmen der Disziplinierung, die Friedrich gegenüber dem Prinzen ergriff, bewegten sich oftmals innerhalb des militärischen Rahmens. <1> Eine der berühmtesten Grabinschriften, die auf die friderizianische Zeit zurückgeht, ist jene des Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, den Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg einfach den "Hubertusburg-Marwitz" nennt. 1 Geboren 1723, trat er in das Regiment Gensdarmes ein, avancierte hier rasch innerhalb der militärischen Hierarchie und reüssierte als Regimentskommandeur während des Siebenjährigen Krieges. Laut Fontane war er ein "sehr braver und in großer Achtung stehender Soldat, ein feiner und gebildeter Weltmann, ein Freund der Literatur und der Kunst." Ein anderer Freund der Literatur und der Kunst, Friedrich der Große, gab von der Marwitz im Jahre 1761 den Befehl, das Brühlsche Lustschloss Hubertusburg in der Nähe von Leipzig plündern und alles Übrige kurz und klein hauen zu lassen; das wertvolle Mobiliar dürfe er behalten. Friedrich war der vorjährige Einfall feindlicher Truppenteile nach Berlin noch in lebhafter Erinnerung, als eine ungestüme Soldateska in Schloss Charlottenburg randaliert hatte. Nun also sollte Gleiches mit Gleichem vergolten werden. Doch der "Hubertusburg-Marwitz", so Fontane, "schüttelte [wiederholt] den Kopf". Auf Friedrichs drängende Frage nach dem Grund für diese Verweigerung habe er geantwortet: "Weil sich dies allenfalls für Offiziere eines Freibataillons schicken würde, nicht aber für den Kommandeur von Seiner Majestät Gensdarmes". Mit dieser Haltung stand von der Marwitz nicht allein: Denn zuvor bereits hatte Friedrich Karl von Saldern einen ähnlichen Befehl nicht ausgeführt und dies mit den Worten kommentiert: "Eure Majestät schicken mich, stehenden Fußes den Feind und dessen Batterien anzugreifen, so werde ich herzhaft gehorchen; aber wider Ehre, Eid und Pflicht kann 1 Vgl. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, 5 Bde, Bd. 2: Das Oderland. Barnim-Lebus, Köln 1997, 221-223. Dieser Aufsatz entstand im Rahmen eines Aufenthalts in der Gerhard-Knoll-Forschungsbibliothek der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, und wurde von der Bühler-Stiftung Berlin gefördert, der ich hierfür meinen herzlichen Dank sage. Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de
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