Evidenzbasiertes Argumentieren bei multivariablen Kausalzusammenhängen mit Interaktionen in der fünften und sechsten Klassenstufe

Sonja Peteranderl, Peter Adriaan Edelsbrunner, Anne Deiglmayr
2021 Unterrichtswissenschaft  
ZusammenfassungIn dieser Studie wird untersucht, in welchem Ausmaß Schüler*innen der 5. und 6. Klassenstufe in einem "Interaktionseffekte"-Kontext, in dem zwei unabhängige Variablen systematisch miteinander interagieren, in ihrer Argumentation vorgegebene experimentelle Evidenz nutzen. Zusätzlich wird untersucht, ob ein im "Haupteffekte"-Kontext situiertes Training der Variablenkontrollstrategie (VKS) die evidenzbasierte Argumentation in einem "Interaktionseffekte"-Kontext beeinflusst. Etwa die
more » ... Hälfte einer Stichprobe von $$N=618$$ N = 618 Schüler*innen ($$M_{\text{alter}}=11.61$$ M alter = 11.61 , $$\text{SD}=0.65$$ SD = 0.65 ; 50 % weiblich) erhielt ein im "Haupteffekte"-Kontext situiertes Training der VKS und die andere Hälfte ein aktives Kontrolltraining. Vor und nach dem Training bearbeiteten die Schüler*innen zwei Aufgaben in einem "Interaktionseffekte"-Kontext, in welchem sie ihre Interpretationen präsentierter Evidenz in offenen Antworten begründeten. Zur Klassifizierung des Grades an Evidenzbasierung in den Antworten der Schüler*innen wurde ein Kodiersystem mit fünf Kategorien entwickelt. Analysen der kodierten Antworten zeigen, dass im Vortest bereits etwa 20 Prozent der Schüler*innen in ihren Begründungen den Interaktionseffekt korrekt interpretierten. Der Grad an Evidenzbasierung war bei Schüler*innen der 6. Klassenstufe höher ausgeprägt als bei Schüler*innen der 5. Klassenstufe. Bei einer vorwissensnahen Aufgabe zeigten die Schüler*innen überproportional viele Antworten mit vorwissenbasierter Argumentation ohne Evidenzbezug. Eine kategorienspezifische, ordinale Mehrebenen-Regressionsanalyse zeigte, dass das Training der VKS die Häufigkeit von Begründungen erhöhte, in denen die Schüler*innen Evidenz korrekt nutzten, um Haupteffekte zu interpretieren; auf die Häufigkeit, mit der Interaktionseffekte erkannt wurden, wurde keine Auswirkung gefunden.
doi:10.1007/s42010-021-00097-9 fatcat:lrwxfbhi5jforjedjpl3peyebi