Ein Fall von multiplen Exostosen

J. Cohnheim
1867 Virchows Archiv  
Der nachfolgend beschriebene Fall kam zuf~illig zu meiner Beobachtung, als ich im M/irz v. J. die Obduction eines 2%/ihrigen Drechslers ausffihrt% der auf der Klinik des Herrn Geh.-R. Traube verstorben war. Der jnnge Mann hatte sich drei Monate vorher wegen spitzer Condylome im Charitdkrankenhause aufnehmen lassen, und w/ihrend der hiergegen eingeieiteten Behandlung hatte sich, unter den Augen tier Aerzte, eine Bright'sebe Nierenerkrankung entwickelt, welche in rapidem Verlaufe dem Leben ein
more » ... fe dem Leben ein Ende machte; das tlidtliche Ende selbst wurde darch eine binzugetretene acute, sogenannte ur/imisehe Peritonitis berbeigef/ihrt. Einige Zeit vor dem Aufenthalte in der Charitd hatte der Pat. noch, ohne bekannt gewordene Ursache, eine Entziindang des linken Schultergelenkes durchgemacht, welche den Ausgang in knorplige Ankylose genommen hatte. Bei der Autopsie fand sich eine diffuse Nephritis, allgemeine eitrige Peritonitis mit Fortleitung des entz/indlichen Prozcsscs auf die Pleura diaphragmatica beiderseits und eine leichte Oiphtheritis des Pharynx; ausserdem aber war das Skelett der Sitz ausserordentfich zahlreicher Abnormitiiten, die sogleich ausfiihrlicher sollen beschrieben werden. Von diesen hatte der Kranke selbst w/ihrend seines Lebens nichts bemerkt, and niemals hatte er fiber etwas Auffallendes an seinen Knochen berichtet; abet auch tier arztlichen Wahrnehniung hatten dieselben sich vollstlindig entzagen, was bei dem weitverbreiteten und ziemlich starken Anasarka sieh unschwer erkl~rt. Wie in der Mehrzahl der bisher beschriebenen F/ille, war zuniiehst'der Schadel frei yon Exostosen. Das Schiideldach war ziemlich lang and schmal, dabei d/inn und yon wenig und blasser DiploS, die Niihte durchaus reg.elm/issig gebiIdet, aucb an der Sch/idelbasis war nichts UngewShnliches, wean man nicht Gewicht daraaf legen will, dass an der Innenfl/iche die beiden Process. anonymi ziemlich stark prominirten and aussen ein Punkt der rechten Lin. semicircul, sup. etwas nach" hinten hervorsprang; 6esichtsskelett and Unterkiefer durchaus wohlgebildet. Sehr bedeatend war dagegen die Zahl der Exostosen am Rumpfe. Die Wirbelsiiule, deren Krfimmang ~brigens die normale war, tr/igt an den Dornforts/itzen des Halstheils mehrere kleine Auswiichse, einen seillich am Epistropheus, einen sehr spitzen rechtsseitlicb am 3ten Halswirbel, ein gr(isseres warziges Packet am 4ten" einc kleinere spitze Exostose am 5ten; yon den fibrigen Proc. spinosi ist nur noch der des lten Brustwirbels mit einem kn0spenartigen Auswuchs besetzt. hlle diese Auswfichse sitzen seitlich dei* Basis des resp. Proc. spin. an, nnd sind s/immtlich mit kleinen Knorpelkappen iiberkleidet. Von den Proc. transversi tr/igt nur der linke am 5ten Brustwirbel eine nach hinten bervorragende~ kleine Exostose; die iibrigen, ebenso die Proc. obliqui, die Wirbelk6rper nnd alas Kreuzbein sind frei yon denselben, l)agegen sind auf beiden Seiten siimmtliche zw61f Rippen an ihrem vorderen Ende, unmittelbar neben der Insertionslinie tier Rippenknorpel,
doi:10.1007/bf02114018 fatcat:4dniwrrlwjatphtwh537vpxetm