Das Kriegsarchiv Wien

Rainer Egger
1970 Militärgeschichtliche Zeitschrift  
Diese 1556 von Kaiser Ferdinand I. errichtete Hofstelle entwickelte sidi rasch zu der obersten Militärbehörde der Habsburgermonarchie, deren Kompetenz auch oft über die habsburgischen Länder hinausging, da sie nicht nur Verwaltungsorgan war, sondern auch die militärischen Operationen zu leiten hatte und diplomatische Verhandlungen führen mußte. Neben Aufgaben der Heeresorganisation und Verwaltung (Werbung, Ausrüstung, Verpflegung der Truppen, Personalangelegenheiten der Offiziere und
more » ... ten) hatte der HKR also audi die Funktionen eines Generalstabes auszuüben, außerdem hatte er bis 1720 den diplomatischen Verkehr mit Rußland und bis 1762 jenen mit der Türkei zu betreuen. Schließlich war er oberste Instanz in der Militärischen Rechtsprechung. Bedeutenden Einfluß hatte der HKR auf die Einrichtung der kaiserlidien Verwaltung der in den Türkenkriegen gewonnenen Gebiete Ungarns und Kroatiens, aber auch Galiziens und der Bukowina, weiters gehörte die militärische und zivile Verwaltung der Militärgrenze in seinen Kompetenzbereich. Aus alledem ergibt sidi schon die große Bedeutung dieses Bestandes für die historische Forschung, enthält er dodi bei weitem nidit nur rein militärisdies Material, sondern umfaßt Quellen zu nahezu allen Bereichen staatlichen Lebens. Die Geschichte des als kollegiale Behörde eingerichteten HKR ist noch wenig erforscht 1 . Nach der ersten Instruktion vom 17.11.1556 sollte der HKR oberste Verwaltungsstelle des Heeres und zugleich Stab und Kanzlei des Kaisers als Oberbefehlshaber sein, in allen Finanzfragen war die neue Hofstelle von der Hofkammer abhängig, die damit einen sehr wesentlichen Einfluß auf alle militärisdien Angelegenheiten behielt. Zunächst bestand der HKR aus fünf Räten, deren einer zum Hofkriegsratspräsidenten bestellt wurde, er hatte dem Kaiser in allen militärisdien Fragen zu referieren 2 . Eine Kanzlei des HKR bestand seit dessen Errichtung, von 1557 an sind im KA. deren Protokolle und Indices fast lückenlos erhalten. Das Aktenmaterial des 16. und teilweise des 17. Jahrhunderts dürfte allerdings bei einem Brand in der kaiserlidien Burg in Wien, wo der HKR untergebracht war, im Jahre 1699 stark gelitten haben, so daß aus diesem Zeitraum verhältnismäßig wenig Aktenmaterial vorhanden ist. Die erste Kanzleiordnung des HKR liegt aus dem Jahre 1564 vor, in ihr ist die seit 1557 gebräuchliche Zweiteilung der Kanzlei festgelegt: in zwei Abteilungen mit getrennter Protokoll-und Indexführung wurden der Einlauf und
doi:10.1524/mgzs.1970.8.2.167 fatcat:avaljkosgffqlerbt5egagyu5e