Auswirkungen der Radikaloperation nach Latzko auf die Befunde der Funktionsszintigraphie der Nieren und auf das Urokinetogramm

N. Pateisky, K. Philipp
1982 Gynäkologisch-Geburtshilfliche Rundschau  
An der I. UFK Wien wird vor und nach Radikaloperation von Zervixkarzinomen neben der routinemässig durchgeführten i.v. Urographie seit mehr als einem Jahr mittels einer Zusatzauswertung der Funktionsszintigraphie der Nieren auch ein sogenanntes Urokinetogramm erstellt [2]. Dieses ermöglicht es, die Harnleiterkontraktionen und den Harntransport zu registrieren. Ausserdem können damit Motilitätsstörungen im Sinne von Dyskinesien erfasst werden. Im Rahmen einer prospektiven Studie wurden bei 31
more » ... ie wurden bei 31 Patientinnen mit Zervixkarzi-nom die Auswirkungen der Radikaloperation nach Latzko auf die Befunde der Funktionsszintigraphie der Nieren sowie auf das Urokinetogramm untersucht. Alle Patientinnen wurden einer Radioisotopenradikaloperation [ 1 ] unterzogen und erhielten postoperativ im Rahmen einer modifizierten sogenannten «Wiener Prophylaxe» einen Cholinesterasehem-mer und Hexoprenalin zur Förderung der Ureterenperistaltik. Die vor der Operation erhobenen intravenösen Pyelographien zeigten in alien Fallen unauffällige Abflussverhältnisse. Die Kontrollen nach der Radikaloperation ergaben bei 6 Patientinnen eine geringgradige Weitstellung des Nierenhohlraumsystems und bei 1 Patientin eine Hydronephrose. Die Funktionsszintigraphie der Nieren ergab bei 28 Patientinnen normale Befunde. Bei 3 Patientinnen lagen Entleerungsstörungen vor. Die Zeit bis zum Erreichen des Sekretionsmaximums betrug im Mittel links 2,32 ± 0,88 min, rechts 2,31 ± 0,8 min. Bei der postoperativen Kontrolle wurden nur bei 14 Patientinnen beidseits normale Funktionsszintigramme erhoben, bei 14 Patientinnen bestanden Entleerungsstörungen. In 3 weiteren Fallen lag ein Akkumulationstyp vor. Die Zeit bis zum Erreichen des Kurvenmaximums war auf beiden Seiten verlängert und betrug links 4,00 ± 2,87 min und rechts 3,75 ± 3,66 min. Dass diese Funktionsstörungen durch Veränderungen im Bereicht der Harnleiter hervorgerufen wurden, zeigen die Befunde der Urokinetogramme. Die Anzahl der Aktivitätsstreifen in 6 min betrug vor der Operation im Durchschnitt links 7,5 ± 1,9, rechts 7,8 ± 2.0. 14 Tage nach der Operation lag die Kontraktionsfre-quenz links bei 7,8 ± 2,0 und rechts bei 7,7 ± 2,1. Damit war kein unterschiedliches Verhalten vor und nach der Operation festzustellen, was zweifellos auf die Durchführung der «Wiener Prophylaxe» zurückzuflihren ist. Postoperativ wurde eine Zunahme der re-troperistaltischen Wellen diagnostiziert, die auf die Narbenbildungen im Operationsgebiet zurückzufúhren sein dürften.
doi:10.1159/000269387 fatcat:ows5iypjp5axjd55lyosi2ayei