Geleitwort der Herausgeber [chapter]

Die Auslegung und Kontrolle des Wahrnehmungsvertrags  
Filippo Carlà (Exeter), Christian Stoffel (Mainz), Christine Walde (Mainz), Dass sich die Altertumswissenschaften gegenwärtig in einer tiefen Identitätskrise befinden, kann und darf keinem Wissenschaftler, Studierenden dieser Fächer oder auch nur an der Antike Interessierten entgangen sein. Die Diskussion über die aktuelle Relevanz vergangener Kulturen -und der antiken Kulturen insbesondere -und über die Rolle der antiken Sprachen und Literaturen sowie über die Gründe einer Fortsetzung ihrer
more » ... ortsetzung ihrer Lehre ist in den letzten 15 Jahren regelmäßig in der wissenschaftlichen Literatur, in der Presse und der Öffentlichkeit aufgeflammt. Im Jahr 2010 wurde zum Beispiel Martha C. Nussbaums Not for Profit: Why Democracy Needs the Humanities publiziert. In dieser Kampfschrift kritisierte die Philosophin die heutigen neoliberalen Erziehungs-und Ausbildungsmodelle als gefährlich für die Entwicklung selbstständiger und kritischer Individuen und damit letztendlich auch für das Überleben der Demokratie und plädierte für eine Rückkehr zu Ausbildungssystemen, die den Geistes-und darunter auch den Altertumswissenschaften eine größere Rolle einräumen. Mit Confronting the Classics. Traditions, Adventures and Innovations betonte im Jahr 2014 Mary Beard, dass die Antike stets eine Projektionsfläche unserer gegenwärtigen Debatten, Zweifel und Ideen sei, und wies deshalb ebenfalls auf die Wichtigkeit ihrer weiteren Erforschung für ein besseres Verständnis auch unserer Gesellschaft hin. Aber dieser "Widerstand" von der Seite dieser etablierten (und viel beachteten) Altertumswissenschaftlerinnen kann keinesfalls die zahlreichen kritischen Stimmen zum Verstummen bringen, die zum Beispiel gegen eine starke staatliche Finanzierung der Altertumswissenschaften erhoben werden und die häufig bei Politikern und Beamten Gehör finden, die mit beschränkten Mitteln für Schule und Universität kämpfen müssen. Im Jahr 2013 wurde zum Beispiel im amerikanischen House of Representatives entschieden, dass föderale Subventionen für die nationale Ausstattung der Künste, der Humanities und für den öffentlichen Rundfunk nicht länger gerechtfertigt werden
doi:10.1515/9783110915792.vii fatcat:lwpu4oz4znfmnmptz5jqyioqea