Die geologische Entwicklung von Nord- und Ostsee

Klaus Schwarzer, Klaus Ricklefs, Arne Lohrberg, Jennifer Valerius
2019
Nord- und Ostsee liegen räumlich eng beieinander. Sie sind nur durch die lediglich 60–80 km breite, aus quartären Sedimenten bestehende jütische Halbinsel voneinander getrennt. Gleichwohl verlief die Entwicklung beider Meere in der älteren und jüngeren geologischen Vergangenheit sehr unterschiedlich. Dies dokumentiert sich z. B. darin, dass in der Nordsee wirtschaftlich nutzbare Kohlenwasserstofflagerstätten weit verbreitet sind, während solche in der Ostsee nach derzeitigem Kenntnisstand so
more » ... Kenntnisstand so gut wie nicht vorkommen. Die unterschiedliche geologische Entwicklung prägt auch heute noch die Ablagerungsbedingungen in beiden Meeresbecken sowie die Dynamik ihrer Küsten. Während die Nordsee nicht unmittelbar durch das Eis des letzten Glazials beeinflusst wurde, war der gesamte Ostseeraum von Eismassen bedeckt und es kam zu intensiven glazialen Erosions- und Ablagerungsprozessen. Durch die offene Verbindung zum Atlantik verlief der nacheiszeitliche Meeresspiegelanstieg im Nordseeraum zudem recht kontinuierlich und vergleichbar mit dem des übrigen Weltmeers. Im Ostseeraum, der stark durch isostatische Ausgleichsbewegungen geprägt ist, gab es demgegenüber in den vergangenen 12.000 Jahren vier Phasen, in denen sich brackische mit limnischen Bedingungen abwechselten und der Meeresspiegel mehrfach und teilweise in kürzester Zeit um 10er Meter gestiegen und wieder gefallen ist. Das spiegelt sich auch in den Meeresbodensedimenten wider. Zudem sind in einigen Regionen die neotektonischen Bewegungen immer noch prägend für die Küstenentwicklung.
doi:10.18171/1.087114 fatcat:siluelhrdzgezony6ljbhi542u