Die Bewegung marschiert Ruch Narodowy und Polens extreme Rechte

Osteuropa
2014 unpublished
Die Rechtsextremisten Polens wurden im In-und Ausland lange ignoriert. Dabei gehören sie zu einer der dynamischsten rechtsextremen Bewegun-gen in Europa. Im November 2013 marschierten 50 000 Teilnehmer des Unabhängigkeitsmarschs (Marsz Niepodległości) durch Warschau. Kern der Bewegung ist die Nationale Bewegung (Ruch Narodowy). Nun tritt sie zu den Europawahlen an. Sie knüpft dazu Bande mit der ungarischen Jobbik sowie anderen Rechtsradikalen und EU-Gegnern. Der organisierte Rechtsextremismus
more » ... Rechtsextremismus in Polen hat ein neues Stadium erreicht. Mit der Ankündigung von Ruch Narodowy (RN; Nationale Bewegung), an der Europa-wahl teilzunehmen, hat die polnische extreme Rechte ein neues Stadium erreicht. Nun versucht sie, zu einer parlamentarischen Kraft zu werden. Das zeichnete sich seit einiger Zeit ab. Seit 2010 traten ihre Gründungsorganisationen vor allem rund um den Marsz Niepodległości (Unabhängigkeitsmarsch) in Erscheinung. Ruch Narodowy versteht sich als Kern des polnischen Rechtsextremismus, einer heterogenen "sozialen Bewe-gung von rechts", in der altbekannte politische und ideologische Elemente der polni-schen Rechten auf neue Formen und Potentiale der Mobilisierung treffen. Im deutschen Sprachraum blieb diese Entwicklung in Öffentlichkeit und Wissenschaft lange Zeit nahezu unbeachtet. 1 Selbst Agenturmeldungen über die jährlichen Aus-schreitungen rund um den Marsz Niepodległości haben einer der dynamischsten rechtsextremen Bewegungen Europas kaum Aufmerksamkeit beschert. Die publizistische und akademische Aufmerksamkeit lag auf der Liga Polskich Rod-zin (LPR; Liga der polnischen Familien), obwohl sie ihre Bedeutung längst verloren hat. Von 2005 bis 2007 war sie nicht nur im Sejm vertreten, sondern war mit der po-pulistischen Samoobrona der zweite Partner in der rechtsnationalistischen Regie-rungskoalition mit Prawo i Sprawiedliwość (PiS; Recht und Gerechtigkeit) unter Füh-• Eva Spanka (1986), M.A., Kulturhistorikerin, Berlin Andreas Kahrs (1981), M.A., Historiker, Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin 1 Das stellt Reinhold Vetter zu Recht fest: Reinhold Vetter: Diffus, aber gefährlich. Rechtsra-dikalismus in Polen, in: OSTEUROPA, 4/2013, S. 49-71.-Es ist unverständlich, dass aktuelle Publikationen, die Europas extremer Rechten gewidmet sind, Polen ignorieren; Martin Lan-gebach, Andreas Speit: Europas radikale Rechte. Bewegungen und Parteien auf Straßen und in Parlamenten. Zürich 2013.
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