Praxisgrenzen des kontrollierten Rückbaus von Industriebauwerken

Achim Hettler, ICOMOS – Hefte Des Deutschen Nationalkomitees
2015
Achim Hettler Praxisgrenzen des kontrollierten Rückbaus von Industriebauwerken Bedingt durch den starken industriellen Wandel müssen immer häufiger alte Industrieanlagen rückgebaut werden. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist es durch die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen in den meisten Fällen nicht mehr möglich, nur einen einfachen Abbruch durchzuführen. Beim Abbruch wird ohne Unterscheidung der verschiedenen Baumaterialien mit der Fallbirne, Spreng-oder Reißtechniken versucht, möglichst
more » ... ucht, möglichst schnell und kostengünstig zum Ziel zu gelangen. Übrig bleibt in den meisten Fällen ein unsortiertes Konglomerat, das aus den verschiedensten Materialien besteht. Früher war es ohne weiteres möglich, diese Mischung kostengünstig als sogenannten Bauschutt zu entsorgen. Die aktuelle Gesetzeslage, die Anforderungen der Deponien und die stark gestiegenen Deponiekosten lassen heute eine derartige Vorgehensweise nicht mehr zu. Die abfallwirtschaftliche Zielhierarchie' -Vermeiden -Verwerten -Entsorgen der nicht vermeid-und verwertbaren Abfälle läßt sich m der Praxis nur durch eine strenge Separation der einzelnen Materialien bereits auf der Baustelle einhalten. In diesem Fall spricht man von selektivem oder auch kontrolliertem Rückbau. Der kontrollierte Rückbau vollzieht sich in verschiedenen Demontagestufen (Abb. 1). Danach ist es häufig möglich, viele Gebäude-und Anlagenteile wiederzuverwenden oder zumindest wieder-und weiterzuverwerten. Der obersten Priorität, Abfall zu vermeiden, kann somit Rechnung getragen werden. Durch eine strenge Trennung der einzelnen Materialien wie z.B. Holz, Stahl, Beton oder Mauerwerk in den einzelnen Demontagestufen ist es zudem möglich, einen Großteil der Baustoffe zu recyceln. Häufig bleibt nur ein relativ geringer Anteil übrig, der deponiert werden muß. Bei einem jährlichen Aufkommen von etwa 220 Mio. Tonnen an Baurestmassen, die in der Bundesrepublik zu den mengenmäßig größten Abfallgruppen gehören, wird sehr, schnell deutlich, wie wichtig ein kontrollierter Rückbau für die Abfallwirtschaft ist. Deshalb ist der selektive Rückbau seit einiger Zeit auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.-' Wie von Rentz u.a. gezeigt, 5 kann sich bereits bei nichtindustriellen Bauten eine strenge Trennung und der Rückbau in verschiedenen Demontagestufen lohnen (Abb. 2). Bei Industriebauten, die bisher noch nicht quantitativ untersucht wurden, ist das Einsparungspotential weitaus höher, weil häufig Baustoffe und Anlagenteile kontaminiert sind und entsprechend hohe Entsorgungskosten anfallen. Der folgende Beitrag behandelt die grundsätzliche Problematik beim kontrollierten Rückbau und die Grenzen in der Praxis. Die Vorgehensweise wird am Beispiel des Blocks 4 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks in Karlsruhe erläutert. An diesem 7. Ablaufstruktureines Gebauderückbaus (nach Petzschmann). Demontagestufe D 1 Direkte Wiederverwendung Geräte der technischen Zentralen, Fördertechnik. Armaturen und Objekte, Heizkörper und Rohrleitungen, mobile Trennwände, abgehängte Decken ^ Lagerung Demontagestufe D 21 Wiederverwendung nach Vorbehandlung Rohrleitungen und Rohrregister, Elektrokabel und Kabelkanäfe, Türen, Fenster und Rolläden Lagerung Vorbehandlung
doi:10.11588/ih.1996.0.22192 fatcat:5kqc5w67zrgpbhdnr6c5zujs5e