Zur Formoltitration der Aminosäuren im Harne

H. Malfatti
1910 Hoppe-Seyler´s Zeitschrift für physiologische Chemie  
Im Verlaufe der letzten Zeit sind eine ganze Reihe von Arbeiten veröffentlicht worden, die sich mit der Mengenbestimmung der Aminosäuren im normalen Harne mit Hilfe der Formoltitrierung beschäftigen. In mehreren dieser Arbeiten wurde nun ein ganz unglaublich hoher Prozentgehalt des normalen Harnes an Aminosäuren festgestellt. So fand z. B. V. Henriques 1 ) im Mittel aus vier Versuchen 0,2°/o (als Glykokoll berechnet). Walter Frey und Alfred Gigon 2 ) 0,12°/o. V. Henriques und S. P. L. Soerensen
more » ... S. P. L. Soerensen in ihrer II. und III. Abhandlung 3 ) immerhin noch einen Gehalt von 0,09 und 0,08°/o. Dieselbe Mittelzahl findet auch Tanzo-Yoshida 4 ). Solche Resultate müssen Verwunderung und auch Vorsicht erregen. Die zahlreichen Publikationen, in welchen die Menge der Aminosäuren mit Hilfe der Naphthalinsulfochloridmethode ermittelt werden sollte, führen im allgemeinen zur Ansicht, daß in normalen Harnen zwar manchmal etwas erheblichere Mengen dieser Substanzen vorkommen können, daß aber ihre Menge in den meisten Harnen unter der Grenze der Nachweisbarkeit bleibt. Wenn z. R. G. Oehler 5 ) bei einem Zusatz von 0,3 g Glykokoll zu 1330 ccm eines Harnes, der mit Naphthalinsulfochlorid nicht reagiert hatte, 0,277 g des ß-Naphthalinsulfoglykokolls erhalten konnte, ist es doch ganz unver-
doi:10.1515/bchm2.1910.66.3.152 fatcat:alswu4kpmvctne6efy5jnytbgq