Michael Schmaus in memoriam

Richard Heinzmann
2015
Daß der Mensch sich einer Zukunft entgegenbewegt, in der es keinen Tod mehr gibt, sondern nur noch die Fülle des Lebens, das ist Gottes Verheißung und menschliche Hoff nung« (Der Glaube der Kirche 19792 II, 221). Mit diesen Worten hat sich, verehrte Trauergemeinde, Michael Schmaus vor eineinhalb Jahren für die Glückwünsche zu seinem 70-jährigen Priesteijubiläum und 95. Geburtstag bedankt. Wenn man ihm in schon fortgeschrittenerem Alter aus gegebenem Anlaß noch weitere Jahre wünschte, pflegte er
more » ... ünschte, pflegte er zu antworten: Ich will der Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen setzen. Am Ende zeigte sich aber die Barmherzigkeit Gottes gerade darin, daß er in den Abendstunden des 8. Dezember diesem in vieler Hinsicht außergewöhnli chen Leben seine Grenze setzte, es einmünden ließ in die Fülle des Lebens, wo es kein Sterben und keinen Tod mehr gibt. Mit Prof. Dr. Michael Schmaus, emeritierter Ordinarius für Dogmatik, starb eine Per sönlichkeit, deren Name in die Geschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Ludwig-Maximilians-Universität München bleibend eingeschrieben ist und die dar über hinaus die Geschichte der Theologie und der Kirche des 20. Jahrhunderts maßgeb lich mitgeprägt hat. Bei dem so hohen Alter und einem derart umfassenden und erfolgrei chen Lebenswerk tritt in dieser Stunde des Gedenkens die Trauer über den Verlust zu rück hinter das Bewußtsein tiefer Dankbarkeit. Der Dank gilt dem hervorragenden Ge lehrten, dem faszinierenden Lehrer und nicht zuletzt einem Mann und Priester von selte ner menschlicher Größe und Souveränität. Am 17. Juli 1897 in Oberbaar geboren, studierte Michael Schmaus in München Theo logie und wurde 1922 zum Priester geweiht. Seinen wissenschaftlichen Weg begann er als Schüler von Martin Grabmann, dem bahnbrechenden Erforscher der Theologie und Philosophie des Mittelalters. Im Jahre 1924 promovierte Schmaus zum Doktor der Theologie mit der grundlegenden, bis heute nicht überholten Untersuchung über »Die psychologische Trinitätslehre des hl. Augustinus«. In seiner Habilitationsschrift befaßte er sich mit Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus, den beiden herausragenden Denkergestalten des Dominikaner-und des Franziskanerordens. Die historische Dimen sion der Theologie war für Schmaus nicht nur eine Durchgangsphase; sie blieb zeitlebens ein konstitutives Element seiner Theologie. Der Rückgriff auf die Geschichte war jedoch Gedenkansprache beim Trauergottesdienst der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München in der Universitätskirche St. Ludwig am 12. Januar 1994. Dieser Ansprache liegt eine ausführliche Würdigung zugrunde: R. Heinzmann, Die Identität des Christentums im Umbruch des 20. Jahrhunderts. Michael Schmaus zum 90. Geburtstag, in: MThZ 38 (1987) 115-133. -Am 13. Dezember 1993 hat SE Friedrich Cardinal Wetter in der Pfarrkirche von Gauting das Requiem gefeiert und in seiner Predigt Michael Schmaus gewürdigt. Die Be erdigung fand im Anschluß daran bei den Priestergräbem im Münchener Waldfriedhof statt.
doi:10.5282/mthz/3771 fatcat:2sdygfnmwfczheojixozncvmqm