Vorwort [chapter]

1890 Chirurgisch-Anatomisches Vademecum  
V o r w o r t. "Die Notwendigkeit, ein Buch mit topographisch-anatomischen Abbildungen zu besitzen, sieht jeder Anfänger in der Medizin heutzutage ein. Aber je mehr man die Wahrnehmung macht, daß die Bücher solcher Art gegenwärtig viel gekauft und eifrig studiert werden, desto ernstlicher wird immer wieder daran erinnert werden müssen, daß das Lesen solcher Bücher die Übungen im Secirsaal nicht ersetzen kann. Das Yademecum ist nicht dazu verfaßt, um den angehenden Ärzten ein genaueres Studium
more » ... genaueres Studium an der Leiche zu ersparen, und um ein bequemeres und rascher vollendetes Studium auf dem Papier an dessen Stelle zu setzen, sondern es soll ganz vorzugsweise dazu dienen, zu den chirurgisch-anatomischenÜbungen am Kadaver anzutreiben und anzuleiten. In letzterer Beziehung scheint es notwendig, die Methode hervorzuheben, durch welche die Studierenden am besten in die topographische Auffassung der Anatomie eingeführt werden. Es ist dies die Methode der Fensterschnitte. Wer sich orientieren will, wer in der chirurgisch-anatomischen Orientierung Übung bekommen will, dem raten wir dieselbe Art des chirurgisch-anatomischen Präparierens an, welche den meisten Abbildungen dieses Buches zu Grunde gelegt ist. Nicht das systematische Präparieren, nicht jenes so leicht zur Gedankenlosigkeit führende Herausschnitzeln der Arterienzweigchen oder Abschaben des Fettes von den Nervenfädchen bildet den Diagnostiker oder Operateur zu seinem Berufe vor, sondern nur das topographische Präparieren, wie es vorzugsweise bei solchen Fensterschnitten getrieben wird. Wer seine Studien vollendet hat, muß dies selbst erfahren haben, aber den Anfängern kann eine solche Erfahrung kaum nachdrücklich IV Vorwort.
doi:10.1515/9783112390627-001 fatcat:xs3afheakradpha7remi5jqo3e