Geriatrie: Dual-Tasking - wenn Kognition und Motorik zusammengehen

RW Kressig
2006 Swiss Medical Forum = Schweizerisches Medizin-Forum  
Einleitung Gehfähigkeit und Kognition sind wichtige Determinanten für Selbständigkeit und Autonomie im fortgeschrittenen Alter. In zahlreichen Forschungsarbeiten konnte eine unabhängige Assoziation zwischen dem kognitiven und dem funktionellen Status aufgezeigt werden. Dabei war ein schlechteres Abschneiden bei den kognitiven Tests konsequent und unabhängig mit einem schlechteren Abschneiden bei den körperlichen Funktionstests sowie mit einer höheren Abhängigkeit bei den basalen (activities of
more » ... aily living, ADL) und instrumentellen (instrumental activities of daily living, IADL) Aktivitäten des täglichen Lebens assoziiert. Dual-Tasking Die Idee, den Gang in einer Dual-Task-Situation zu prüfen und entsprechend das individuelle Sturzrisiko zu bestimmen, wurde erstmals vor knapp zehn Jahren lanciert. Damals publizierte Lillemore Lundin, eine schwedische Physiotherapeutin, die Ergebnisse einer Untersuchung, in der sich gezeigt hatte, dass Patienten, die nicht in der Lage waren, gleichzeitig zu gehen und zu sprechen, ein massiv erhöhtes Sturzrisiko aufwiesen («Stops walking when talking») [1]. Spätere Versuche verschiedener Forschungsgruppen, diese Resultate in anderen Betagtenpopulationen zu replizieren, gelangen nur teilweise. Neueste Daten aus der InCHIANTI-Studie [2] stellen das klinisch äusserst bedeutsame «Dual-Task-Paradigma» nun wesentlich differenzierter dar. Hier konnte nachgewiesen werden, dass das Gehvermögen unter Dual-Task-Bedingungen einerseits vom Funktionsgrad der zerebralen Exekutivfunktion und andererseits vom Typ der während des Gehens zusätzlich gestellten Aufgabe abhängt. Abbildung 1 Gangvariabilitätsmessung mit dem GAITRite ® -System zur Bestimmung des Sturzrisikos in der klinischen Routine (Quelle: Universitätsspital Basel, Basel Mobility Center, Akutgeriatrie).
doi:10.4414/smf.2006.06056 fatcat:4zj52qws75hcnmiv6kniduphgu