Atypischer Hirntumor des linken Schläfenlappens

L. Stanojević
1922 Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten  
Obwohl die klinische Diagnose der Hirnerkrankungen im letzten Dezennium grol]e Fortschritte machte, stol~en wir doch noch immer auf Schwierigkeiten in der Diagnose dieser Krankheiten. Wir wissen sehr gut, dal~ nicht nur der krankhafte Prozel~, sondern vor allem auch die durch ihn hervorgerufene sekund~re Alteration des intrakranieUen Raumes, wie der physikalische Druck, die Diaschise (Monakow) usw., imstande slnd, im Verlaufe der Krankheit Erscheinungen zu erzeugen, die oftma]s die exakte
more » ... ]s die exakte Diagnose des pathologischen tIirnprozesses, besonders, was dessen Sitz anlangt, vSllig ausschliel~en. $ch kann in dieser Beziehung Marburg nur zustimmen, dal~ man jeden so]chen Fall eines I-Iirntumors, welcher zu Lebzeiten trotz unanfechtbarer klinischer Beobachtung in Bezug auf seinen Sitz fehlerhaft diagnostiziert wurde, aus didaktischen Griinden verSffentlichen solle. Der Patient, um den es sich, handelt, ist ein 31 Jahre alter Gendarm, der im Februar 1919 mit Kopfweh, Augen-und Naekenschmerzen erkrankte; er wurd~ am 23. V. 1919 auf meine dama]Jge Abteilung im Milit/~rspitale in Zagreb aus einem Peri~heriespital mit der Diagnose "Gastrizismus" aufgenommen. Am 24. V. war der Patient ruhig, hielt sich rein und hatte des Naehts gut gesehlafen. Bei der ~rztlichen Visite war er wie traumhaft verloren, zeigte einen verschwommenen Blick, an ihn geriehtete Fragen faBte er sehwer anf und antwortete langsam und mangelhaft. Zeitlich und 5rtlich war er nicht orientiert, wuBte nicht zu sagen, welcher Monat sei usw. Er gab an, er sei aus C. yon seinem TruppenkSrper hierher gekommen. Er sei angeblich schon den 4. Monat krank, konnte aber fiber die Entwicklung seines krankhaften Zustandes keinerlei Auskunft geben. Ana, mnestisch lieg sich yon ihm erfahren, dag er unverheiratet sei, der Vater sei an ibm unbekannter Krankheit gestorben, die Mutter lebe auf einem groBen "Besitze", er wugte aber nieht zu sagen, wie grog dieser Besitz sei. Besuchte die Schule, kann aber nieht reehnen, war dann beim Milit/~r, zur Zeit des Umsturzes meldete er sich zur Gendarmerie. Litt nie an Krampfen, war hie Trinker. Ist Rechtsh~nder. Status somaticus: Mittelgrog, ziemlieh stark gebaut, die rechte Gesiehtsh~lfte sehlecht innerviert und etwas aufgedunsen. Die rechte Pupille gr51~er als die ]inke, beide licht-und akkomodationsstarr. Beide oberen Augenlider herabh/~ngend, besonders das linke. Kein Nystagmus. GehSr, Geruch und Geschmack sind beiderseits in Ordnung. Die oberen Extremit/~ten motorisch kr~ftig, Reflexe auf beiden _ _ ~2) Hermann Georg, Zur Symptomatologie der Tumoren des linken Schli~fenlappens. Zeitschr. f. die ges. Neurol. und Psych. 67 B~nd, 1--2 Heft.
doi:10.1007/bf01910523 fatcat:rl2tfszrfjadxhbqku2p3enrtq