11 Achtsamkeit als radikalisierte Form des buddhistischen Modernismus [chapter]

2020 Achtsamkeit als kulturelle Praxis  
In der Achtsamkeitsströmung wird immer wieder betont, dass es sich bei den Achtsamkeitspraktiken um jahrtausendealte Praktiken handelt. Meist wird dabei von 2500 Jahren gesprochen. 1 Dieser Umstand ist aus zwei Gründen interessant: Erstens wird Achtsamkeit damit -auch dort, wo sie sich säkular versteht -in einen historischen Kontext, nämlich den Buddhismus oder den historischen Buddha Siddhārtha Gautama (Skr.; Pāli: Gotama), um 400 oder 500 v. Chr., 2 gestellt. Zweitens wird so postuliert, dass
more » ... es sich bei dem Aufschwung von meditativen Praktiken und speziell von Achtsamkeitspraktiken ab den 1960er-Jahren um eine Entdeckung handelt. Damit wird impliziert, dass es sich bei Achtsamkeit um eine universelle oder akulturelle Selbstformungstätigkeit oder Fähigkeit des Selbst handelt. Das vorliegende Kapitel dient zum einen der Rekonstruktion der buddhistischen Vorgeschichte der Achtsamkeitsströmung und zum anderen soll das universalistische Selbstverständnis kulturalisiert werden. Nicht das Universelle, sondern das historischkulturell Spezifische an der Achtsamkeit steht demnach im Fokus des Kapitels. Nach einem knappen geschichtlichen Überblick über die Transformationen des Buddhis-1 | Vgl. etwa für die Achtsamkeit I Nyanaponika (1992: 7), für die Achtsamkeit II Kornfield (1993: 19) und für die Achtsamkeit III Tan (2012: 32). Ausnahme ist dabei das Manual für das MBCT, in dem nur an zwei Stellen beiläufig der Buddhismus angeführt wird (vgl. Segal /
doi:10.14361/9783839452301-012 fatcat:llytl7dsuncsdg6bh36fd4ebeu