Über die Flüchtigkeit der Kieselsäure

E. Cramer
1892 Angewandte Chemie  
Theil des Apparates unter Bildung "von Oxysulfid. Das hat aber mit der eigentlichen Reaction nichts zu thun. Ich bemerkte, dass beim Überleiten von Schwefelkohlenstoff über weissglühende Thonerde sich der Überschuss des Schwefelkohlenstoffs fast gänzlich in Kohle und Schwefel zersetzte. Dabei zeigte die Analyse, dass die Bildung von A1 2 S 3 bei dieser Temperatur am energischsten vor sich ging. Was lag nun näher, als den Schluss zu ziehen, dass bei Weissglut Kohle und Schwefel auf Thonerde
more » ... l auf Thonerde unter Bildung von Schwefelaluminium einwirken würden: A1 2 0 3 + 3 C + 3 S = AI, S 3 + 3 CO. Der Versuch zeigte die Berechtigung dieser Annahme. Eine Thonretorte von halbkreisförmigem Querschnitt von 0,6 m Länge und 0,3 m Breite wurde mit einer Mischung von Thonerde und gepulverter Holzkohle beschickt, so dass die Mischung den Boden der Retorte etwa 25 mm bedeckte. Die Retorte hatte eine fast 4 cm weite, kreisrunde Öffnung an einem Ende, in welche eine 0,6 m lange, aufwärts geneigte Thonröhre gut eingepasst war. Diese Thonröhre diente zum Einlassen des Schwefels und zum Auslassen der sich bildenden Gase. Die Retorte wurde durch Olgasfeuerung auf Weissglut gebracht und dann in Zeitabschnitten von '/g Stunde Schwefel eingeschoben, so dass der Schwefel immer in geringem Überschuss in der Retorte zugegen war. Die Rohrmündung wurde mit Lehm soweit geschlossen, dass die Gase unter geringem Druck ausströmen konnten. Der stets im Überschuss vorhandene Schwefeldampf verhinderte die sonst üble Wirkung eines Überschusses von Kohlenoxyd, denn bei einer so endothermischen Reaction, wie die der Bildung von Schwefelaluminium, muss man das Gesetz der Massenwirkung sehr -wohl berücksichtigen. Bei starkem Schwefelzusatz steigen die Dämpfe in die Thonröhre, condensiren sich da und tröpfeln continuirlich in die Retorte zurück. Wegen der Gefahr zu grosser Abkühlung muss ein zu grosser Überschuss an Schwefel vermieden werden. Bei genügend lange fortgesetzter Operation ist die Umwandlung in Sulfid vollständig. Die Reaction AI, 0 3 + 3 C + 3 S = 3 CO + A1 2 S 3 weist eine Wärmeabsorption von etwa 180500 W. E. auf, die bisher am meisten endothermische Reaction, welche beobachtet worden ist. Richards, in seiner Bemühung theoretisch zu begründen, dass obige Reaction wahrscheinlich nicht stattfinden würde, führt an, dass die Reaction mit Schwefelkohlenstoff nur deshalb stattfände, weil bei der stattfindenden Zersetzung von l Mol. CS 2 52000 W. E. frei würden, nämlich diejenige Wärmemenge, die bei der Bildung von l Mol. absorbirt werde. Richards bedenkt aber nicht, dass die frei werdende Wärme in diesem Falle nicht in anderer Weise wirken kann als von aussen zugeführte Wärme; sie dient zur Temperaturerhöhung. Allerdings befördert der Schwefelkohlenstoff die Reaction dadurch, dass der Kohlenstoff des Schwefelkohlenstoffs im Momente der Einwirkung auf die Thonerde sich in atomischem Zustande befinde. Ob dies auch für den Schwefel gilt, ist zweifelhaft, denn bei Weissglut ist anzunehmen, dass der Schwefeldampf überhaupt nur in Atomen zugegen sein kann. (Vgl. S. 494.) Diese Herstellung von Schwefelaluminium lässt sich in grossem Maassstabe billig bewerkstelligen. Bei Wiedergewinnung des Schwefels rechne ich die Herstellungskosten von Schwefelaluminium für l k Aluminium auf 0,15 M. Ich will noch erwähnen, dass die Elektrolyse von geschmolzenem Schwefelaluminium einen elektrischen Ofen zulässig macht, bei dem die Wärmestrahlung viel geringer ist als bei dem jetzt angewandten. Verfahren. Die Bildungswärme von Sulfid ist nur ein Drittel von der des Oxyds, was schon auf eine verhältnissmässig leichtere Reduction hindeutet. Darüber kann wohl kein Zweifel sein, dass die Auffindung einer Methode zur chemischen Reduction von Schwefelaluminium von grösster Bedeutung für die Industrie sein würde. Obwohl Eisen Aluminiumsulfid unter Bildung von Schwefeleisen und Ferroaluminium reducirt, so hat sich das Product doch bisher wegen des unvermeidlichen Schwefel geh alts nicht als brauchbar erwiesen. La Salle, Ills. Über die Flüchtigkeit der Kieselsäure.
doi:10.1002/ange.18920051604 fatcat:lr7kkh6bgnfbrl3ijlr5sf5y2i