Vom Konflikt zur Konkurrenz. Deutsch-polnisch-ukrainische Fußballgeschichte. Hrsg. von Diethelm Blecking, Lorenz Peiffer und Robert Traba

Stefan Zwicker
2019
Vom Konflikt zur Konkurrenz. Deutsch-polnisch-ukrainische Fußballgeschichte. Hrsg. von Diethelm B l e c k i n g , Lorenz P e i f f e r und Robert T r a b a . Die Werkstatt. Göttingen 2014. 288 S., Ill. ISBN 978-3-7307-0083-9. (€ 24,90.) Der vorliegende Band entstand im Kontext der seit über ein Jahrzehnt verstärkten Beschäftigung der Geschichtswissenschaft mit der Sportgeschichte im östlichen Europa. 1 Er versammelt die Beiträge einer Tagung, die im Juni 2012 in Berlin anlässlich der damals
more » ... lich der damals bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine stattfand. Mag auch dieses Turnier schon wieder teilweise sportlich in Vergessenheit geraten sein (wenn, dann vor allem erinnert als vorerst letzter Erfolg des spanischen "tiki-taka"-Spielstils), stellen die Aufsätze einen bleibenden Beitrag zur Forschung dar. Der Band ist nach diversen Vorworten in vier Bereiche aufgeteilt: Im ersten, "Sport zwischen Nation und Emotion", sticht der von Dieter L a n g e w i e s c h e zur "Bedeutungsvielfalt von Nation und der Turnbewegung und im Sport" hervor. Er weist darauf hin, dass das Turnern und Sportlern retrospektiv oft vorgeworfene demonstrative "Bekenntnis zu der Nation, in der sie lebten", im 19. und großen Teilen des 20. Jh. keineswegs ungewöhnlich war, sondern vielmehr das Gegenteil ungewöhnlich gewesen wäre (S. 21). Als Forschungsdesiderat mahnt L. an, dass der "private Raum", in dem auch Sportler und Funktionäre, insbesondere in Extremsituationen wie dem Ersten Weltkrieg, sich anders äußerten als im öffentlichen Raum -gerade was Begriffe wie "Nation" betrifft -, stärkere Beachtung finden müsse (S. 29f.) Im zweiten Abschnitt "Deutsch-polnische-Fußballgeschichte" widmet sich Thomas U r b a n 2 dem "1. FC Kattowitz als Modell für eine sich radikalisierende Minderheit". Er legt damit eine Fallstudie über den besten deutschen Klub im seit 1921 polnischen Teil Oberschlesiens vor. In Kattowitz (Katowice) hatte bei der Volksabstimmung ein Großteil der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland gestimmt, der Verein war anfangs dem polnischen Fußballverband durchaus entgegengekommen, aber eine eklatante Benachteiligung beim entscheidenden Spiel um die polnische Meisterschaft 1927 und der Verlust des Sportplatzes trugen dazu bei, dass dem Nationalsozialismus nahestehende Vertreter der Jungdeutschen Partei (JdP) in den 1930er Jahren den Verein bestimmten. Nach 1939 genoss der Klub zuerst besondere Protektion, da der ehemalige Vorsitzende nun als NS-Kreisleiter amtierte, dies änderte sich aber, als dieser 1941 zur Wehrmacht abberufen wurde Mit den deutsch-polnischen Länderspielen 1933-1938 befasst sich Dieter H e r t z -E i c h e n r o d e . Diese fanden vor dem Hintergrund der zeitweiligen außenpolitischen Annäherung an Polen statt 3 und galten der deutschen Sportpolitik unter 'Reichssportführer' Hans v. Tschammer und Osten als "Chefsache" (S. 117 f.). H.-E. sieht für die insgesamt fünf Spiele drei bestimmende Faktoren: politisches Interesse auf beiden Seiten, die Absicht der Führung des DFB, mit der Ausrichtung dieser Spiele im Sinn des Regimes tätig zu
doi:10.25627/201968110530 fatcat:7ovs3hob7nc2va5a5k6xkm3zie