Umgang mit Mehrsprachigkeit und Dolmetschbedarf in österreichischen Ordinationen für Allgemeinmedizin

Victoria Helena Ryczaj
2020 unpublished
Die vorliegende Forschungsarbeit widmet sich dem Umgang mit Mehrsprachigkeit und Dolmetschbedarf österreichischer Ordinationen für Allgemeinmedizin. Im theoretischen Forschungsteil wird auf die Organisationsstruktur und Funktionsweise des österreichischen Gesundheitssystems eingegangen und der Zugang verschiedener PatientInnengruppen zur medizinischen Grundversorgung erörtert. Im Anschluss erfolgt gestützt auf Sandrini (2019) und Ozolins (2010; 2000) eine Einführung in die Thematik der Sprach-
more » ... ematik der Sprach- und Translationspolitik, die als Grundlage zur Bewertung der translationspolitischen Situation im österreichischen Gesundheitswesen herangezogen wird. In Anlehnung dazu erfolgt in weiterer Folge ein Einblick in die vorherrschende Dolmetschpraxis im Gesundheitswesen. Der empirische Forschungsteil legt den Fokus auf die Fragen, wie ÄrztInnen für Allgemeinmedizin und OrdinationsassistentInnen im Ordinationsalltag mit Mehrsprachigkeit umgehen und ob es einen Bedarf an DolmetscherInnen gibt. Weiters zielt die Untersuchung auf die Spezifizierung der translationspolitischen Lage auf dieser Ebene der Primärversorgung ab. Die Forschungsmethodik umfasst leitfadengestützte Interviews sowie die Auswertung der erhobenen Daten mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018). Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung verdeutlichen, dass Ordinationen für Allgemeinmedizin – sei es phasenweise oder regelmäßig – von Mehrsprachigkeit geprägt sind, weshalb von Seiten der ÄrztInnen und OrdinationsassistentInnen eine Vielfalt verbaler und nonverbaler Kommunikationsstrategien bei der Behandlung nicht-deutschsprachiger PatientInnen zur Anwendung kommt. Der Dolmetschbedarf wird im Ordinationsalltag vorrangig durch Ad-Hoc-Lösungen, d.h. den Einsatz von LaiendolmetscherInnen, gedeckt. Dies ist auf ein Fehlen entsprechender translationspolitischer Regelungen und mangelndes Wissen über den professionellen Dolmetsch-Markt zurückzuführen. Demnach ist diese Ebene der Primärversorgung in Hinblick auf das Spektrum der Translationspolitik nach [...]
doi:10.25365/thesis.63086 fatcat:tgecgzefoncijfm7ivxlu4w6ym