Eine Tigerstatuette vom Niederrhein

Heinz Günter Horn
2020
Im Frühjahr 1949 fand man beim Kiesbaggern unweit von Emmerich-Hüthum (Kreis Kleve) eine bislang unveröffentlichte -Tierstatuette aus Kupferlegierung, die 1952 in den Besitz des Rheini schen Landesmuseums Bonn gelangte (Abb. 1; 2-4) L Sie ist 15,6 cm lang und 6 cm hoch. Es han delt sich offensichtlich um eine Tigerin (panthera tigris') in verhaltendem Paßgang. Der charakteri stische, scharf geschnittene Kopf mit der abgeflachten, stark zurückfliehenden Stirn, mit den gera den Augenwülsten, der
more » ... Augenwülsten, der kurzen und buschigen Backenmähne, mit den kleinen, lauschend aufgerich teten Ohren ist ein wenig nach links gewendet. Die Schnauze ist leicht geöffnet, das gerundete Kinn vorgeschoben. Die Nasenfalten, die Augen, die Schnurr-und Backenhaare sind ebenso in Kaltbear beitung nachgezogen wie die Behaarung der Brustpartie und die Details der breit ausgetretenen Pranken. Schwer lastet der mächtige Körper auf den kurzen Beinen; die kräftigen Schulterblätter drücken sich durch. Die Wamme hängt tief; die Zitzen sind zwar undeutlich, aber unverkennbar angegeben. Die katzenhafte Bewegung, die spannungsgeladene Körperdrehung, der geschmeidige Gang der Raubkatze wurden insgesamt treffend erfaßt. Die großflächig modellierte Muskulatur tritt unter der ungezeichneten, kurzhaarigen Felldecke wirkungsvoll hervor. Der dünne Schwanz ist schwungvoll auswärts gebogen, die spärliche Haarquaste an seinem Ende liegt auf der linken Hin terpranke auf1 2. 1 Inv.-Nr. 52,24. -Fundstelle: Mbl. 4103 Emmerich, r 1540, h 4465). -Aus dem Fundbericht vom 6. 2. 1952 in den Ortsakten des Rhein. Landesmus. Bonn: 'Die Fundstelle liegt 400 m nordwestlich von Wardmannshof, westlich Emmerich und 1,1 km ostnordostwärts trig.P.15,4, zwischen den km 352 und 353 des Rheines, un mittelbar am Fuße des Dammes am Westrand von Pastorshafen. Die Entfernung bis zum heutigen nördlichen Rheinufer beträgt 500 m. Hier stießen . . . Arbeiter beim Kiesbaggern >In der Watt<, der Rheinniederung westlich Emmerichs, in ca. 6 m Tiefe unter dem heutigen Niederungsniveau auf das Vorderteil eines Schiffes aus Holz mit schneckenförmig aufgehendem hölzernen Steven . . . Dabei lag eine Unmenge z. T. zerbroche ner, z. T. erhaltener Tongefäße und dazwischen ein bronzener Löwe . . . Bei den Funden handelt es sich of fensichtlich um Reste eines im 16. Jahrhundert untergegangenen Schiffes, das mit einer Ladung Siegburger Keramik nach Holland unterwegs war. Wie der Löwe in diesen Fundzusammenhang kam, wird wohl stets ein Rätsel bleiben". Die Fundmeldung wurde seinerzeit E. Wichmann, H. Aspel und Th. Meenen (Hüthum) ver dankt; den Fundbericht verfaßte A. Herrnbrodt (Bonn) nach eingehender Befragung der Baggerei-Arbeiter. -Die Keramik bestand im wesentlichen aus Siegburger Zylinder-und Trichterhalsgefäßen der Zeit um 1500 (Rhein. Landesmus. Bonn, Inv.-Nr. 52,25): vgl. A. Herrnbrodt, Bonner Jahrb. 155-156, 1955-1956, 524 ff. -Für Unterstützung und mannigfache Hinweise bin ich den Damen und Herren J. Drews (Mainz), W. Fuchs (
doi:10.11588/bjb.1980.0.73641 fatcat:fyat62bjarc3rgpr4ghqadugby