Eine Sigillata-Töpferei in Martres de Veyre (Frankreich)

Raymond Terrisse
2018
Der Ort Martres de Veyre (Arr. Puy de Dome) liegt 15 km südöstlich von Clermont-Ferrandin der Nähe der nach Issoire führenden Landstraße. Die Land schaft, durchflossen vom Allier, welcher früher schiffbar war, enthält Reste aus den verschiedensten Perioden der Vorzeit. Insbesondere sind zahlreiche Fund stellen der keltischen und römischen Zeit vorhanden1. Die Töpferei, in welcher ich Grabungen vor genommen habe, ist nicht mit den ganz naheliegenden Fund plätzen zu verwechseln, die im Jahre 1923
more » ... , die im Jahre 1923 von A. Audollent entdeckt wurden und die einer anderen Werkstatt anzugehören scheinen. Sigillata-Töpfereien von Martres de Veyre sind schon seit langem bekannt, beson ders durch die Veröffentlichungen von Dechelette, Oswald, Plicque, Kuhn, Charvilhat, Lheritier, Tardieu und Mathieu2. Trotzdem weiß man wenig über die Entdeckung der Fundstellen. Sicher ist, daß schon im vorigen Jahrhundert Neugierige und Altertums liebhaber den Platz ausgebeutet haben. Leider war dies auch noch vor dem letzten Krieg der Fall mangels einer schärferen Gesetzgebung über Ausgrabungen und begün stigt durch den Umstand, daß die Fundschichten nur 0,30 bis 1,20 m unter der heutigen Oberfläche liegen. Im Jahre 1936 wurde meine Aufmerksamkeit auf die Fundstelle gelenkt. Unter der Leitung von L. Lheritier, dem ich auch weitere Angaben über die Töpfereien und Funde des Ortes verdanke, habe ich damals Grabungen vorgenommen. Seit dieser Zeit habe ich mehrfach dort gegraben. Im Jahre 1938 war mein Lehrer J. Toutain mir behilflich, auf das große Interesse hinzuweisen, welches die Töpfereien für die Erforschung der römi schen Keramik besitzen. Nach meinen Untersuchungen und nach örtlichen Auskünften sind mehrere Werkstätten vorhanden. Absichtlich habe ich jedoch meine Grabungen auf die von Anfang an untersuchte Stelle beschränkt, um hier möglichst vollständige Ergeb nisse zu erzielen. Dabei war mein Augenmerk hauptsächlich auf die Herstellung der Terra sigillata gerichtet, die zur Zeit der intensivsten Tätigkeit dieser Töpferei erfolgte. Die Funde gehören in die Zeit von 50 bis 250 n. Chr. Die Blütezeit des Betriebes liegt aber zwischen den Jahren 120 und 170 n. Chr. In den tiefliegenden Schichten der Gra bung trifft man in großer Zahl Topfscherben mit Schlickverzierung. Diese Scherben gleichen denjenigen, welche J. Martin beschreibt3. Sie werden auch wie in Lezoux vor den Öfen vorgefunden sowie in den Öffnungen am Boden des Brennraumes und auf den Wegen zwischen den Töpferöfen. Andererseits habe ich auch in den verwühlten Schich ten der Fundstelle Scherben von rädchenverzierten oder guilloschierten Sigillataschüsseln gefunden. Diese stammen wahrscheinlich aus der Verfallzeit des Unternehmens. Die beabsichtigte Veröffentlichung über die Töpferei von Martres de Veyre wird Abbildungen der Bilderschüsseln bringen. Gleichzeitig wird versucht werden, die Ware
doi:10.11588/ger.1954.45178 fatcat:6u57ppgugjbgbmxaz3zlrjz33i