Schnelle Netze – jetzt und flächendeckend!

Bernd Scherer
2019
Einhundert Mal schneller -mit Echtzeitgarantie!" So verheißungsvoll bewirbt die Telekommunikationsindustrie 5G, die schöne neue Welt des mobilen Internets. Wäre da nicht ein entscheidender Haken: Außerhalb von Städten und Metropolen ist es bislang nicht besonders weit her mit dem vollmundigen Versprechen grenzenloser Vernetzung und Erreichbarkeit. Ganz im Gegenteil, gibt es doch zahlreiche weiße Flecken auf der digitalen Landkarte, die auch in künftigen Ausbauplänen unberücksichtigt bleiben
more » ... ichtigt bleiben könnten. Denn die drei Netzriesen Telekom, Vodafone und Telefónica bleiben dabei. 98 Prozent der Haushalte an das Internet von morgen anzuschließen, muss reichen. Mehr noch: Die Branche hält ihr selbst gestecktes Ausbauziel sogar für eine großzügige Wohltat. Auf den zweiten Blick sieht die vermeintlich umfassende Versorgungszusage jedoch gar nicht mehr so üppig aus. Denn 98 Prozent der Haushalte entsprechen gerade einmal 75 Prozent der Fläche Deutschlands. Netzpolitischer Webfehler Dass selbst in den kürzlich angepassten Vergabebedingungen der Bundesnetzagentur eine perspektivisch klare Verpflichtung zum flächendeckenden 5G-Ausbau ausgespart wurde, ist ein grundlegender Webfehler der Netzpolitik. Schließlich stehen die Regionen, wie Studien des Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigen, für gut 58 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Bezeichnend für den Industriestandort Deutschland ist, dass die Versorgungslücke in den wirtschaftsstarken Flächenländern Baden-Württemberg und Bayern derzeit besonders weit klafft. Fast schon dramatisch ist die Lage im Südwesten. Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es mehr Funklöcher: In 240 deutschen Ortschaften ist die Mobilfunkverbindung unzureichend. Von ihnen liegen 63 in Baden-Württemberg, 52 in Bayern. Regionale Frequenzen als Ausbaubeschleuniger Was ist also zu tun, um das Blatt zu wenden? Die Zeit drängt, bis zur Frequenzauktion im März bleiben nur noch wenige Tage, um die Weichen für eine robuste Infrastruktur zu stellen. Dem Agribusiness sehr gelegen kommt die jüngste Entwicklung, die selbst Kenner der Telko-Branche überrascht hat: Der Roaming-Anbieter United Internet hat sich kurzfristig dafür entschieden, als weiterer Player in das Bieterverfahren einzusteigen.
doi:10.15150/lt.2019.3201 fatcat:hed3luvjvbbfvcwdb4236gbgpi