Einzeitige intravenöse Behandlung der Syphilis mit Embarin und Ncosalvarsan

O. Herbeck
1920 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Seit Jahren besteht die Neigung, die Vorzüge der schmerzlosen intravenösen Injektion auf das Quecksilber, vornehmlich bei der Syphilisbehandlung, in Anwendung zu bringen. Erst die Erfolge Linsers2) ließen eine rclativ gefahrlose intravenöse Anwendung des Sublimats in Verbindung mit Neosalvarsan hoffnungsvoll escheinen. Nachdem letzthin Bruck und Bccher) über ihre Erfolge mit einzeitiger intravenöser Behandlung von Nov asurol und Neosalvarsan berichtet haben, sehe ich mich veranlaßt, meine Ver.
more » ... anlaßt, meine Ver. suche über einzeitige intravenöse Injektion von Embarin und Neo. salvarsan bekanntzugeben. Die Versuche datieren seit Mai dieses Jahres. Sie wurden aufgenommen, da mich die Behandlung nach Linser nicht ganz be. friedigte und ich an Stelle des stark giftigen Sublimats nach einem weniger giftigen, aber genügend wirksamen Quecksilberpräparat suchte. Als solches hatte sich mir in der Praxis das Embarin (mer. kurisalzylsulfonsau res Natriu.m) mit 3 0,0 Quecksilbergehalt erwiesen. Besonders die feste Bindung des Quecksilbers im Molekül ließ die Versuche hoffnungsvoll erscheinen. Beim Mischen des Embarins mit Neosalvarsan -entsteht eine ge. trübte, schmutzige, grüngelbe Flüssigkeit, die jedoch nicht derart getrübt ist, daß sie nicht in der Spritze beim Ansaugen das Eintreten des Blutstromes bemerken ließe. Da Embariii zwecks Anästhesie einen Zusatz von Acoin hat, welcher an Lind für sich bei der intravenösen Injektion nicht schädich, aber überflüssig ist, stellte mir die Firma Hcyden, 1adebeul, auf Wunsch ein Embarin ohne diesen Zusatz zur Veríüguno. Behandelt wurden ausschließlicîl vorgeschrittene, vernachlässigte Fälle von Lues mit starken lokalen Erscheinungen. Sämtliche Fälle hatten positiven Spiochäteiibefuud Lind positiven Wassermann. Die Injektion erfolgte anfangs in 4tägigen Zwischenräumen, nach 6 Spritzen, je nach dem körperlichen Befinden, in 5-bis ütägigen Intervallen. Gegeben wurden 10 bis 12 Spritzen von je 0,45 Neosalvarsan in 4 ccm Wasser gelöst und I cern Embarin; zusammen also 4,5 bis 5,4 Neosalvarsan und 0,3 bis 0,36 Hg. Die Spritzen wurden ausnahmslos gut vertragen. Von 10 behandelten Fällen waren die äußeren Erscheinungen bei O nach 3, bei 4 nach 4 Spritzen geschwunden. Die anfangs positive Wa.R. war bei 7 Fällen nach der 10., bei 3 nach der 12. Spritze negativ. Von 4 Fällen, die weiter in Beobachtung blieben (2 behandelt MaiJuni. I JuniJuli, I Juni August), war (lie monatliche Blut. untersuchung nach Wassermann negativ geblieben. Lokale Erschei. nungen sind bei diesen 4 Fällen bisher nicht wieder aufgetreten. Von Nebenwirkungen ist das ausnahmslos auftretende Reaktionsfieber nach der ersten Spritze zu erwähnen. Es schwand jedoch schnell.
doi:10.1055/s-0029-1193019 fatcat:vuflburrdvh6hgplveq7j5xy4u