Die Ahnen der KJ. Rede zur Feier des 50. Geburtstages am 19. 10. 2018

Jan Gehlsen
2018 Kritische Justiz  
Unser Freund Thomas Blanke, ziemlich genau vor einem Jahr gestorben, hat aus Anlass des Todes eines früher gestorbenen Freundes die schöne Metapher des persönlichen Friedhofs verwendet, den jeder von uns im Laufe seines Lebens anlegen muss. Das versuche ich jetzt für die KJ und konzentriere mich dabei auf die Ehrengräber für diejenigen, die in den Anfangsjahren den Ausschlag gaben. Auf das Erinnern kann im Zusammenhang mit der KJ schon deswegen nicht verzichtet werden, weil ihre Entstehung viel
more » ... mit Erinnern zu tun hatte, mit Erinnern vor allem an die ab 1933 ins Exil getriebenen Juristen und an Wilhelm Kroner. Auf den Richter am Preußischen Oberverwaltungsgericht Wilhelm Kroner, Jahrgang 1870, haben sich die Gründer gestützt, denn er war während der gesamten Zeit des Bestehens der Zeitschrift "Die Justiz -Organ des Republikanischen Richterbundes" von 1924 bis Anfang 1933 deren Herausgeber. Diese Zeitschrift diente uns als Vorbild. Von Kroners Person hatten wir keinen Eindruck, er schien vollständig hinter der Zeitschrift verborgen. Erst 48 Jahre nach der KJ-Gründung bin ich der Person Wilhelm Kroner nähergekommen. Den Herausgebern einer Darstellung über die Entrechtung von Richtern des Preußischen Oberverwaltungsgerichts nach der NS-Machtübernahme war es gelungen, Informationen bei einem Enkel Wilhelm Kroners einzuholen. Durch sie bin ich in Kontakt mit Dr. med. Thomas Kroner, Winterthur, gekommen. Er ließ wissen, dass er ebenso wie ich "in gewisser Weise gerührt" sei über die späte Würdigung der Verdienste seines 1942 in Theresienstadt umgekommenen Großvaters. Noch im ersten Heft der KJ mussten wir uns vom kurz zuvor gestorbenen Fritz Bauer verabschieden. In seiner Wirksamkeit für das Gelingen der KJ-Gründung überragt er alle. Er ließ von der ersten Begegnung an keinen Zweifel an der Realisierung des Projekts aufkommen. Wir waren dankbar, dass Fritz Bauers Freund schon von vor 1933, Richard Schmid, gewonnen werden konnte, ihn zu würdigen. Dass der selbst in seinem Sterben umstrittene Hessische Generalstaatsanwalt einmal die Anerkennung erfahren würde, die ihm heute so vielfältig zuteilwird, war damals nicht zu erwarten. Über Juristen-und Historikermilieus hinaus ist er heute gegenwärtig in seiner entscheidenden Wirkung für die Abwendung der Bundesrepublik von den Beschönigungen der NS-Vergangenheit. Wir müssen schon einigermaßen mutig gewesen sein, dass wir den als Prüfer gefürchteten damaligen Präsidenten des Hessischen Landesarbeitsgerichts Hans G. Joachim angesprochen und gewonnen haben. Unter den oberen hessischen Justizjuristen fiel er aber dadurch auf, dass in seiner Referendar-AG kontroverse Diskussionen nicht durch den Hinweis auf vorliegende höchstrichterliche Entscheidungen abgewürgt wurden. Seine Tatkraft und seine Verbindungen waren während der Gründungsphase hilfreich. In Erinnerung ist die zielstrebige Abwicklung der Gründungsversammlung am 15. Februar
doi:10.5771/0023-4834-2018-4-396 fatcat:cpyt6mrhevaffgvkt7ni375jcq