Die gelben Perlen [Fortsetzung]

Hans Rabl
1944
Über allem Sprechen war Lens kaum dazu gekommen, ein paar Bissen zu essen; van der Stappen dagegen stopfte, um nicht reden zu müssen, solche Mengen in sich hinein, dass Djokjas, des Javaners, Augen aus den Höhlen traten. "Ich bin stolz", gurrte er endlich, "dass der Herr mir soviel Ehre antut." "Ehre antut? Wieso?" knurrte van der Stappen. Er bemerkte die Schüsseln, in denen mächtige Portionen fehlten, schob klirrend den Teller zurück. "Ehre antut ?" wiederholte er. "Ein Schlangenfrass war
more » ... Er erschrak, wollte sich bei dem Mädchen entschuldigen sah, verblüfft ihr lachendes Gesicht und verstummte. "Das war das erste herzliche, ehrliche Wort, Kapitän", sagte sie, "das Sie heute gesprochen haben. Wollen Sie das nicht beibehalten?" Er war versucht, einzustimmen und verbot sich's. "Warum reisen Sie nicht mit Thomas Cook and Son? Man würde Ihnen in anständigen Autobussen alle Aussichten auf Bali zeigen, die im Reisehandbuch ein Sternchen haben. Oder, wenn Sie lieber mögen, könnten Sie auf Sumatra oder Borneo ein Nashorn schiessen, am Ende gar einen Orang. Statt dessen stiften Sie auf einem ehrlichen, dreckigen, stinkenden Trampkahn Unfrieden und Verwirrung, zwin-, gen ihm einen Kurs auf, der nicht ungefährlich ist Warum tun Sie das alles Was, zum Henker, wollen Sie auf Ihren verdammten Schildpad-Inseln ?" "Wenn ich gefunden habe, was ich suche, Kapitän", antwortete Betje und hob mit dem vergnügten Lächeln, das ihn allmählich rasend machte, die Schultern, "werd' ich's Ihnen zur Begutachtung vorzeigen. Aber vorher möcht' ich nicht darüber sprechen -ich hab' solche Angst vor Ihrer schlechten Meinung", schloss sie mit übertriebener Kindlichkeit. Van der Stappen sehlug auf dem Tisch einen Trommelwirbel. "Wissen möcht' ich bloss", murmelte er nach einer Pause, "woher Sie die Sache mit der Haifischschwanz-: flossenschuppe gewusst haben. Wirklich hellsehen können Sie doch nichtoder?" "Natürlich nicht", gab sie offenherzig zu. "Es war ein Trick dabei. Alle Magie ist Trick. Wussten Sie das nicht ?" "Doch natürlich-." Er war etwas verwirrt. "Aber mit Tricks erreichen, was man offen nicht erlangen kann, ist das fair?" "Durchaus -da Sie ja wussten, alle Magie sei Trick." Vor dieser primitiven und schlagenden Logik schnappte er nach Luft. "Verraten Sie mir den Trick?" fragte er endlich. "Wenn Sie versprechen, Ihre Zusage trotzdem zu halten und keinen Krach anzufangen." Er schluckte. Es reizte ihn so, ihr in die Karten zu sehen, dass er "Gut, ich versprech's" brummte. "Sehr einfach. Fünf Gin-Fizzes, von Pieter Lens konsumiert, und ein bisschen Geschick." Van der Stappen hielt die Tischkante so fest umklammert, dass die Handknöchel weiss wurden. "So war daskeuchte er. "Nun, ich hab's versprochen und ich halt's auch. Aber was ich von Ihnen denke, das ist meine' Sache. Ich wollte jedenfalls, ich hätte es mir leisten können, Ihren Onkel zu verstimmen. Dann wären Sie, verlassen Sie sich darauf, nicht hier. Meinen Steuermann, meinen Freund sozusagen, zu missbrauchenwarum in aller Welt hat er denn nicht das Maul aufgemacht, als er nachher merkte, was Sie mit seinem Wissen anfingen?" "Wirkung meiner Reize", lachte sie. "Er hatte Angst um unseren hübschen, eben erst begonnenen Flirt. Sind Sie übrigens immer so grob ?" "Ich glaube wohl", antwortete er mit erzwungener Gleichmut.
doi:10.5169/seals-645726 fatcat:tgxymzxekbctfnx6qocj6wwjhm