Libri

1963 European Neurology  
Libri Walter Schuhe: Klinik der «Anstalt«»-Psychiatrie. Thieme, Stuttgart 1962. 198 p., 23 fig. Ln. DM 29.70. Zur rechten Zeit erscheint dieses Buch über «Anstaltspsychiatrie als gerade noch eben geduldeter Begriff», wie ein Untertitel der Einleitung lautet. Es ist nämlich möglich, daß mancher junge Psychiater der Meinung ist, über dieses rund 150 Jahre alte Verfahren der Fürsorge und Behandlung ließe sich nur ein Nachruf schreiben. Schuhe beschreibt tatsächlich kurz die Entwicklung des
more » ... wesens, seit die alten Tollhäuser verlassen wurden, und verweilt dann viel länger bei der Anstalt, wie sie sich schließlich herausgebildet hat mit ihren geschlossenen und offenen Abteilungen, der Beschäftigungs-, Milieu-und psychischen Behandlung und den weiter geöffneten Türen und der Außenfürsorge heutzutage. Wenn er dabei nicht systematisch alles und jedes erfassen will, sondern als Modell der Darstellung die ihm so wohl bekannte und von ihm jahrelang geleitete Anstalt Gütersloh nimmt, so ist er dafür nur zu loben. Denn nur so wird alles anschaulich. Selbstverständlich kommt er dabei auf den heute fast vergessenen Direktor von Gütersloh, Svmann Simon, rühmend zu reden, der gegen 1930 die mancherorts vernachlässigte Beschäftigungstherapie wieder zu großen Ehren in der halben Welt brachte. (Der Schreiber hätte in diesem Zusammenhang gerne auch den Namen Heinrich Schiller gelesen, der hierzulande mit zäher Hartnäckigkeit das gleiche Ziel verfolgte.) Kurz, wer selbst in einer Anstalt tätig war, wird das Buch mit Genuß lesen, und die andern werden wenigstens belehrt, wie es wirklich war. Aber ist es ein Nachruf? Wird die Anstalt andern Gebilden nach Art der Spitäler für körperlich Kranke Platz machen müssen ? Kommen uns zufällig alte Organisationsdekrete der Anstalten in die Hände, so scheinen sie enge, starr und allzusehr nur auf Sicherung bedacht, und ein Nachruf scheint berechtigt. Aber spricht man mit langjährigen Angestellten und Patienten solcher Anstalten, so ging damals schon dank klugen Direktoren und ebenso klugen Behörden manches viel lockerer und freiheitlicher zu als auf dem Papier gedruckt zu lesen. Und liest man das letzte Kapitel: «Stellung des chronischen ,Anstalts'kranken», so ist man überzeugt, daß die Anstalt noch nicht ausgespielt hat, weil nur in ihr jene Form der Gemeinschaft verwirklicht werden kann, die gewissen Kranken einzig angemessen ist. J. Wyrsch (Stans) M.Boss: Lebensangst, Schuldgefühle und psychotherapeutische Befreiung. Huber Bern 1962. 64 p. sFr. 5.80. Eine etwas erweiterte Fassung vom Vortrag auf dem V. Internationalen Kongreß für Psychotherapie in der Universität Wien ist hier zum Büchlein geworden. -Angst und Schuld seien «von allergrößter praktischer Bedeutung auf dem gesamten Gebiete der Krankhetaentstehung und Krankheitsbehandlung» (12). Sie seien Grundmächte im Leben des Menschen, «mächtiger und abgründiger noch als Hunger und Liebe», «das, was... die Welt im Innersten zusammenhält» (13). Die krankhaften Erscheinungen davon können nach Meinung des Verfassers nicht psycho- 54 Lihri analytisch behandelt werden, denn Freuds «dynamische Auffassung der seelischen Erscheinungen» glaube, es brauchten nur die «psychodynamischen Kausalzusammenhänge der psychischen Dinge untereinander gefunden zu werden, um dann auch schon die Ursachen ...
doi:10.1159/000128961 fatcat:7f4y7uvr4ner3m4lshzv6d5xh4