Ulrich Haustein: Sozialismus und nationale Frage in Polen

Walther Maas
1971
Besprechungen und Anzeigen M( gen, die Normen und Grundlagen des Soziallebens, das traditionelle Wissen, die Glaubensvorstellungen, die magischen Praktiken und Sitten, ihre wirtschaftlichsoziale Funktion, schließlich die Weitergabe der Kulturerrungenschaften in konkreten lokalen Gemeinschaften. Hier werden drei Dörfer als Beispiele in allen Einzelheiten vorgeführt, nämlich ein Dorf aus dem Saybuscher Gebiet: Żabnica, eines aus dem steinigen Podhale: Murzasichle, und eines aus den Gorce:
more » ... den Gorce: Obidowa. Die Vf.in kennt gut die weitschichtige poloische, tschechische, rumänische Literatur (auch einige deutsche und amerikanische ist benutzt) und nutzt sie trefflich für Vergleiche aus. An Karten finden wir außer der schon genannten eine der geographischen Einteilung der Nordkarpaten (nach, Dobrowolski und Kondracki), eine Karte der Wege und Straßen in den Karpaten (geordnet nach Jahrhunderten), Pläne von Obidowa, Żabnica und der Alm Ma a ąka in der Tatra. 18 Fotos unterstützen den Text. Die Einwirkungen der Nachkriegszeit sind sozusagen nur am Rande notiert, obwohl die Vf.in zugeben muß, daß das meiste, was sie als Gegenwart beschreibt, bereits der Vergangenheit angehört. Braunschweig Walther Maas Ulrich Haustein: Sozialismus und nationale Frage in Polen. Die Entwicklung der sozialistischen Bewegung in Kongreßpolen von 1875 bis 1900 unter besonderer Berücksichtigung der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS).. (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart, Bd 12.) Phil. Diss. Mainz 1965. Böhlau Verlag. Köln, Wien 1969. XVI, 304 S, Die Polen erlebten als einzige größere Nation ("historische Nation", wie Marx-Engels sagten) das 19. Jh. unter Fremdherrschaft, d. h. das Jahrhundert des Kapitalismus und seines Gegenstücks, des Sozialismus. In Kongreßpolen unter dem Zaren herrschte ein unvorstellbarer Polizeiterror. An den Aufbau von Gewerkschaften und Parteien wie im Westen konnte man nicht denken. Trotzdem kam es zur Bildung sozialistischer Gruppen, eine der ersten und bedeutsamsten war das "Proletariat", 1881. Auf drei "Ebenen" bildeten sich, sozialistische Gruppen: unter den Fabrikarbeitern, besonders in Warschau, unter den Emigranten, schließlich unter den polnischen Studenten an russischen Universitäten. Die Arbeiter litten unter doppelter Bedrückung: als Polen und als Proletarier. Und so war es eigentlich selbstverständlich, daß sich zwei Richtungen herausbildeten, die eine, welche erklärte, ohne ein freies Polen könne es keinen Sozialismus geben, man müsse daher zunächst auf ein unabhängiges Polen hinarbeiten; die andere, man müsse zusammen mit russischen revolutionären Kräften den Zarismus stürzen und einen sozialistischen Staat errichten, der (je nach Vorstellung) mehr oder minder zentralistisch. oder föderativ sein würde. Als Vorkämpfer der ersten Richtung mag man vor allem Józef Pi sudski nennen, als Vorkämpferin der zweiten Rosa Luxemburg. S. 202 finden wir eine Charakterisierung dieser und ihrer Partei, der Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens. Man wird dem zustimmen können. Aber ich vermisse hier wie überall sonst einen Hinweis auf folgendes: Die Arbeiter in Kongreßpolen waren mehr national gesinnt als die Emigranten oder die Studenten und gingen daher eher zur PPS. Sie sahen nämlich als Russen nur Polizisten und andere Vertreter des Unterdrückungsapparates, während die Emigranten
doi:10.25627/19712022596 fatcat:nf3e5ht6prgjnc723ctqrygf2i