Ueber das biliöse Typhoid (Fortsetzung aus No. 4.)

1888 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Der Verlaufdes biliösen Typhoids kann sich in vier verschiedeiie Stadien eintheilen. Die invasion oder das Prodromalstadium nach G-riesinger. Wie wir schon erwähnt haben, werden Leute von biliösern Typhoid ergriffen, welche sich an einem bestimmten Ort dem unbekannten Miasma der Krankheit ausgesetzt haben. In (len ersten 24 Stunden ist die Diagnose unmöglich, besonders wenn eins oder mehrere Symptome fehlen. GewOhnlich klagen die Patienten über allgemeines Unwohlsein Kopfschmerzen, Neigung zum
more » ... erzen, Neigung zum Erbrechen. In dieser Zeit, wenn auch alle Symptome der Krankheit bestehen, ist die Diagnose noch schwer. Am 2. Tage haben wir dieselben Symptome, die Coujunctiva aher fängt sich za injiciren an, und Schmerzen, besonders in den unteren Extremitäten, stellén sieh ciii. Das Fieber ist, wenn auch nicht in allen Fiillen charakteristisch hoch, wie es schon oben besprochen wurde. Der Puls ebenfalls beschleunigt voll und stark. Am 3. Tage schwillt die Leber etwas an und ist hei Druck empfindlich, während die übrigen Organe nichts Abnormes zeigen. Der Stuhl ist angehalten ; wenn Ausleerungen stattgefunden haben, bieten dieselbeii nichts Charakteristisches dar. Ebenso ist der EJrin an dem ersten Krankheitstage normal. Dieses Stadium kann 3-4 Tage lang dauern, und nur selten, wenn besonders Anurie mit Hämorrhagieen stattgefunden haben, tritt der Tod ein. Von den erwähnten Symptomen können einige fehlen. Nasenbluten ist nicht constant, ebenso können die Wadenschmerzen in sehr wenigen Erkrankungen fehlen. Ueberhaupt hat das Vorhandensein oder Fehlen eines oder mehrerer Symptome keine prognostische Bedeutung fär den Verlauf der Krankheit. Es gicht sogar Fö.11e, welche mit sehr milden Symptomen beginnen und letal enden, und andere wieder, welche mit stürmisehen Erscheinungen angefangen haben und zur Heilung führen. Die Akme oder das Uebergangsstadium, nach Griesinger. Mit den ersten Zeichen der ikterischen Färbung der Con-,junctiva nimmt die Krankheit ein ganz anderes Bild an. Die obigeii Symptome verschlimmern sich, die Leber ist mehr geschwollen und schmerzhaft, die Wadenschmerzen intensiver, die Nächte ruheloser, der Appetit mehr geschwächt. Allmählich fängt der übrige Körper an sich ikterisch zu färben. Jetzt fängt der Ham an, spärlicher zu wer(len oder ganz aufzuhören; der Stuhl ist noch immer angehalten. I'4asenbluten, Erbrechen stellen sieh oft ein. Das 1'ieher hält in einigen Fällen 390_ 35,50, oft fällt es bis 37,5°. Die übrigen Organe zeigen nichts Charakteristisches. Der Puls behält noch seine Höhe, während die Haut oft feucht und klebrig ist. Exantheme fehlen oft in diesem Stadium, und nur die Rachen-und Larynxschleimhaut ist ineistentheils entzündet. Der Tod tritt iii diesen Fällen gewöhnlich unter urämischen Erscheinungen ein. 1)ie gauze I)auer dieses Stadiums beträgt 2---5 Tage. Das typhöse Stadium. Haben sich die Symptome gut entwickelt, so sieht man die Kranken soporös und apathisch im Bette liegen. Das Sensorium ist meistens benommen, die Respiration schwer. Die Leber noch geschwollen und schmerzhaft. An keinem der anderen Organe merkt man etwas Charakteristisches mit Ausnahme der Complieationen. Das Fieber ist erniedrigt, der Puls immer schnell, gewöhnlich einige Remissionen zeigend. Einmal gestaltet sich derselbe voll und schnell, ein anderes Mal wieder ist er klein oder ffliform. Wenn die Anurie oder Oligurie vorbei sind, tritt reichlicher Ham oder Polyurie zu Tage. Der Stuhl ist jetzt milchweiss aussehend, sehr stinkend; es kommen in diesem Stadium auch Diarrhöen vor. Jetzt erreicht die Ausbreitung und Intensität des Ikterus ihr höchstes Stadium. Die Kranken sehen orangengeib aus. Erbrechen und Singultus, wie aus den obigen Mittheilungen ersichtlich, gehören in dieses Stadium. Die Schlaflosigkeit ist noch enorm. Der Ham enthält ausser Gallenfarbstofi' in einigen Fällen noch Albumen. Die mikroskopische Untersuchung zeigt oft viele hyaline Hamncylinder, in welchen auch degenerirte Epithelien oder Blutkörperchen eingebettet sein können. Von Cornplicationen sieht man Lungenentzündungen, Katarrhe und Parotitiden. Petecliien und andere Hautexantherne kommen hier vor. Die Kräfte der Patienten werden bis zum Aeussersten geschwächt, und am Ende dieses Stadiums können sich dieselben kaum bewegen oder sprechen. Der Tod tritt gewönlich zwischen dem lo. bis 16. Tage der Erkrankung ein. Ursachen desselben können Urämie, Erschöpfung, Blutverluste oder Pyämie (nach eitriger Parotitis) sein. Das Reconvalescenzstadium. Die Reconvalescenz geht sehr langsam von Statten. Die enorme Schwäche fesselt noch lange die Kranken an's Bett. Die ikterische Fürhung (les Körpers verschwindet allmählich, es bleibt aber noch für längere Zeit ein leicht Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0029-1207728 fatcat:znp2weq765d6rgv5ti7oeb7bjm