Rezensionen [article]

(:Unkn) Unknown, Leibniz Institut Für Psychologische Information Und Dokumentation (ZPID), Leibniz Institut Für Psychologische Information Und Dokumentation (ZPID)
2020
Die Autorin leistet mit diesem Buch einen anregenden und innovativen Beitrag zur musikalischen Rezeptionsforschung. Anregend ist vor allem der Einstieg in eine breite Forschungslücke zu musikalischen Rezeptionsweisen in verschiedenen Phasen des Er wachsenalters. Innovativ ist dabei Bersch-Burauels Methodenmix, mit dem sie ver sucht Musik im "Everyday-life" erwachsener Menschen einzufangen. Die Arbeit setzt sich aus drei Kapiteln zum thematischen Hintergrund, drei Kapiteln zur eigenen Unter
more » ... eigenen Unter suchung, einem Zusammenfassungsteil und einer übergreifenden Diskussion zusam men. Mehrere Unterkapitel enden mit eigenen Zusammenfassungen und Diskussionen, die Orientierung geben und das Mitdenken erleichtern. Der thematische Hintergrund widmet sich zunächst allgemein der Entwicklungspsy chologie des Erwachsenenalters. Dabei geht es unter anderem um die elementaren Fra gen, wie sich das Erwachsenenalter abgrenzen und untergliedern lässt und was eigentlich das "Erwachsensein" überhaupt ausmacht. Überzeugend wird mit dem Wandel der Ge sellschaft und ihrer Überalterung argumentiert, dass das Erwachsenenalter entwicklungs psychologisch hochinteressant geworden ist (S. 13 ff.). Die vorangegangene Forschungs literatur wird sehr übersichtlich, z. T. in Tabellenform ( die Mediennutzertypologie von Oehmichen, 1999) aufbereitet und gegenübergestellt. Im nächsten Schritt erarbeitet Bersch-Burauel das Begriffsumfeld von "Musikpräferenz". Das geschieht sehr gründlich, wobei fast der Eindruck entsteht, der Präferenzbegriff werde problematischer dargestellt (nämlich "äußerst diffus") als er gegenwärtig ist. Schließlich wird der Erkenntnisstand musikbezogener Präferenzforschung im Jugend-und Erwachsenenalter thematisiert. Dabei geht die Autorin auf die Rollen ein, die zum einen das Alter an sich und zum ande ren die Generations-und Szenen-Zugehörigkeit für Präferenzen nach dem derzeitigen Stand der Forschung spielen können. Im Anschluss an die Literaturübersicht stellt Bersch-Burauel vier Fragen auf (S. 55), die in der eigenen Studie vertieft werden sollen: 1. Welche Funktionen erfüllt Musik im Erwachsenenalter? 2. Kommt es tatsächlich zu einer "Entfunktionalisierung" der Musikpräferenzen? 3. Bleibt die Vo rliebe für alle Musikrichtungen des jugendlichen Popularmusikge schmacks bis ins hohe Alter hin stabil oder gilt dies nur für spezielle Musikrichtun gen bzw. Musikstücke? 4. Wie stabil sind Musikpräferenzen und Funktionen von Musik? Die Vorgehensweise wird als "gegenstandsbezogene Theoriebildung" bezeichnet, wo bei dieser Prozess nur entlang des Literaturstudiums, nicht entlang der empirischen Ar beit selbst mitvollziehbar ist (S. 58). Das Setting der eigenen Studie wird anschaulich anhand vorangegangener Pilotstudien und praktischer Vo rüberlegungen fundiert, so dass man in diesem Abschnitt der Arbeit den Einblick in eine solide geführte "Werkstatt" bekommt. Irene Deliege & Geraint A. Wiggins (Hrsg.): Musical Creativity. Multi disciplinary Research in Theory and Practice. Hove, New York: Psycho logy Press/Francis and Taylor 2006. 427 S. ; 90,00 EUR. Kreativität und kreative Prozesse waren lange eher vernachlässigte Themen der psycho logischen Forschung. Die Gründe hierfür liegen vor allem in den methodischen Schwie rigkeiten, schöpferische Prozesse empirisch in den Griff zu bekommen, aber auch in einer starken Mystifizierung von kreativen Individuen und Handlungsweisen. Das Kon zept einer alltäglichen Kreativität ("everyday creativity") bietet nun allerdings seit gerau-
doi:10.23668/psycharchives.2942 fatcat:aeom6bbei5fuhh5fiildsgwrye