GRAMMATISCHES

W. VAN HELTEN
1910 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
Zur altgerm. flexion der -o-Substantive. 488, anm. ist die frage nach der entstehung von äs. -äs gestreift. Eine eingehende erörterung der entwicklung besagter endung dürfte aber der berechtigung nicht entbehren. Brugmann erblickt (Grdr. 2 2 ,2, s. 162) mit recht im prototyp von vorgot. und vorwgerm. endung des gen. sg. masc. ntr. substantivischer -0-stämme vom pronomen (und adjectiv) herübergenommenes suffix, also einen ausgang mit für altes -o-des stammsuffixes eingetretenem -e-. 1 )
more » ... m -e-. 1 ) Demgemäss ist got. -is des Substantivs, trotz des fehlens von belegen nach art von ]>izei, hizuh etc., der pronominalen genitivendung entsprechend auf -iz bez. -ez aus -ezo (vgl. IF. 26,174 f.) zurückzuführen; während wgerm. -es als die fortsetzung zu gelten hat von altem -esso [vgl. IF. a.a.O.; das e dieses *es ist nicht nach Br. Grdr. 2 2 , 2, s. 162 als durch einfluss von jfces vor erhöhung zu i geschützter voc. zu fassen, weil Übergang von endsilbigem e zu i sich eben nur für den absolut auslautenden, event. auch für den vor 0 stehenden voc. geltend machen lässt 2 ); aus äs, ahd.-fränk. ~en J ) In gleicherweise sind auch wol die andren alten, e«» haltigen bez. die «-und e«-farbigen endungen der substantivischen flexion zu beurteilen, uäml.: urspr. ablat. -, woraus got. -B, wgerm. -a bez. -e (vgl. Beitr. 28,511 f. 14,109. 21,488; Aonfrk. gr. § 75 rf; Asüdmfrk. gr. § 61 y und besonders noch wegen der entwicklung von -a aus - afries. gen. s g. auf -is s. Altostnfrk. gr. § 56 ä; Beitr. 32, 528. 4t. Grab es einen gen. sg. auf älteres -is? Auf eine solche endung sollte nach Sievers 7 Ags. gr. § 237, anm. l und Brugmanns Grdr. 2 2 , 2, s. 162, das umgelautete altkent; &nes 6 einmal' und gen. hinweisen. Das adverb aber begreift sich leicht als durch anlehnung an urspr. instrum. änc "einmal' (aus ) entstandene neubildung; nach dem muster dieses mnes neben altem *änes der gen. &nes für cünes. . Zu westgerm. endungslosen dativen masc. ntr. s g. Beitr. 28, 542 f. wurden ahd. äs. angl. aofries. in präpositionaler Verbindung verwantes hüs (#i, in, fön hüs, fön themo hüs etc., Braunes Ahd. gr. § 193, anm. 7, Francks Altfränk. gr. § 131,22) J ) Man beachte: 1. dass durch folgendes ä hervorgerufene entwickhing von % zu /? vor der secundären vocalapokojje, also auch vor der kürzung von auslautender länge eintrat; 2. dass, indem der Übergang von -e« in -ff durch den schleifton des vocals bedingt wurde (IF. 23,101), dieser lautvorgang sich bei langer Quantität vollzog. 2 ) Wo auch auf vereinzelte, durch solche terinini veranlasste Verwendung von nicht mit präposition verbundenem Ai*s (fridlw, sl desemo ZUR FLEXION DER -O-SUBSTANTIVE. 441 an, te, fan thiu, aofries. til etc. flmi), woraus sich einstmalige existenz folgern lässt von mit solcher präpos. verbundenen hüsu, euu (auf vorags. -u weist hin ags. hdodceg, das als fortsetzung von hiudägu zu gelten hat), die regelrecht hüs, eu ergeben mussten; [kein durch anschluss an formen mit regelrecht erhaltenem -u hergestelltes -u, indem durch nahezu vollständige oder gar vollständige aufgäbe von mit localer präpos. verbundenem Substantiv auf -u bez. gänzlichen Schwund (im vorags.) von instrumentalformen auf -u hus, eu in to hüs etc. zu erstarrten bildungen herabgesunken waren; betreffs des neben Zu stehenden eo ist zu beachten, dass für die lautgesetzliche endungslose form des dativs die dem nom. acc. sg. nach Beitr. 30, 235 ff. zukommende endungslose bildung eo eintreten konnte]. Als parallele zu to 7iüs etc. wird ags. häm in to liäm domum, domi, in, on, to dam bez. dissum heim, of öäm häm begreiflich. Zu äs. *an eo ist ahd. in zeso (ceso) dextra, a dextris zu halten: prototyp instrum. zehsuu oder tehsuu (s statt ss, das regelrecht aus durch absorbierung von u antevocalisch gewordenem 7is hätte hervorgehen müssen, durch anlelmung an dat. tsesive mit regelrecht aus hs vor u entstandenem s). Auf äs. them grötun godes craft Mo. 5970 ist trotz Beitr. 20,521 f. nichts zu geben: wenn hier nicht etwa einfacher Schreibfehler vorliegen sollte, ist die möglichkeit ins äuge zu fassen von nachlässiger änderung eines copisten, der für theru (ev. -, -a) grötun g. craft (wegen solches endungslosen dat. fern, s. unten LXXXIV 7) eine (im äs. öfters begegnende) niasc. form einsetzte, hierbei aber das craft seiner vorläge beibehielt. Für in äs. quellen erscheinende van Vehüs, van Mottonhem etc. (und van Sciphurst, van Westerwik etc., Beitr. 28, 544) ist die nämliche behandlung anzuerkennen, die für in lat. quellen erscheinende in Clu/ieim, in Wilishorst etc. als feststehend gilt, näml. Verwendung der form des nom. acc. auch im dat. (vgl. auch Schätz, Altbair. gr. § 96, 2 b). 6. Wegen an. endungsloser dative sg. masc. ntr. s.
doi:10.1515/bgsl.1910.1910.36.435 fatcat:fyuhe536irfe3mqnfqlqbop4ba