Volkstumsaffinitäten : Anton Stonner und das Dritte Reich

Heidrun Alzheimer, Wolfgang Brückner
2018
Im ersten Bande unseres Vorgängerjahrbuchs »Volk und Volkstum. Jahrbuch für Volkskunde« von 1936 findet sich ein Aufsatz von ANTON STONNER über »Die Volkstumskunde und ihre religionspädagogische Bedeutung in der Gegenwart«, aus dem bald danach eine Passage als Probe damaligen wissenschaftlichen Denkens in die Sammlung »Lesebuch zur Geschichte der Deutschen Volkskunde«, Dresden 1939, herausgegeben von KARL KAISER, Dozent an der Universität Greifswald, aufgenommen wurde (Nr. 273). Ihn hatte der
more » ... 3). Ihn hatte der dortige Ordinarius LuTZ MAcKENSEN gerade habilitiert. Letzterer war auch der Förderer und Doktorvater des berüchtigten RosENBERG-Hauptref erenten für Volkskunde im Dritten Reich, MATTHES ZIEGLER, dem Antipoden von GEORG SCHREIBER (vgl. diesesJbVk 12, 1989, S. 7-10). Wie ging das zusammen? Es war schon für die Zeitgenossen nicht einfach, die Geister lediglich in Freund und Feind zu scheiden, denn in dieser Beziehung standen die beiden Priester SCHREIBER und STONNER in ihrer Kirche eng beieinander, ja, sie lagen wohl auch in ihren Vorstellungen von der (christlichen) Volksgemeinschaft kaum auseinander, auch wenn der Kirchenhistoriker und homo politicus SCHREIBER einen nüchterneren Blick als der pastorale Schreibtischpädagoge SToNNER besaß. ScHREIBERS »religiöse Volkskunde« stand im neuen Jahrbuch 1936-38 gegen den germanomanischen Unsinn der Rosenbergianer und Ahnenerbe-Leute. STONNER hingegen hatte sich schon von der Mitte der zwanziger Jahre an mit dem Problemkreis »Germanentum und Christentum« beschäftigt, was ab 1933 ein Thema werden sollte, auf das sich Verlage stürzten, die am Boom der Zeit zu partizipieren suchten oder-wie Pustet in Regensburgihr gefährdetes kirchliches Programm mit einigermaßen vertretbarem Zeitgeist umstellten. So konnte STONNER hier innerhalb von drei Jahren vier Bücher zur »Deutsche(n) Vergangenheit als Bildungsgut« herausbringen als Beiträge zur »Nationalen Erziehung« im Religionsunterricht. Auch daraus brachte KAISER ein Zitat von 1935 (Nr. 255). Nicht von ungefähr endete diese erfolgreiche Serie ebenso schnell, wie sie aufgekommen war. Nach 1935 hat STONNER nur noch jenen quasi abschließenden Aufsatz in SCHREIBERS neuem Jahrbuch zum Thema verfaßt, wohl weil er als Pustet-Autor in dem von Kösel und Pustet gemeinsam verlegten Periodicum nicht fehlen durfte. Oder hoffte Prälat SCHREIBER, der damals https: //doi.org/10.20378/irbo-51934
doi:10.20378/irbo-51934 fatcat:jpdka77jnjgclnfiqsjdjwxdae