Zur Kenntnis der Darmgärung

Carl Oppenheimer
1906 Hoppe-Seyler´s Zeitschrift für physiologische Chemie  
Die Darmgase der verschiedensten Tiere und auch des Menschen sind häufig untersucht worden. Man hat in ihnen neben Kohlendioxyd vor allem Wasserstoff, Methan und geringe Mengen anderer Gase nachgewiesen. Da man gewöhnlich die Gase so analysierte, wie sie aus der Afteröffnung austraten, oder andererseits Darminhalt an der Luft gären ließ, so hat man ferner stets Reste der im Darm enthaltenen atmosphärischen Luft, insbesondere also Stickstoff in ihnen gefunden. Mir kam es nun bei den Versuchen,
more » ... ei den Versuchen, die ich im folgenden kurz schildern möchte, gerade auf die Frage an, ob sich bei Darmgärung Stickstoff neu bildet. Es bildet diese Frage einen Teil des größeren Problems, ob sich überhaupt Stickstoff aus komplizierteren Verbindungen im tierischen Körper abspaltet. Vor kurzem ist bekanntlich von Schittenhelm und Schröter 1 ) die Behauptung aufgestellt worden, daß sich bei Fäulnisvorgängen, wie sie auch im Darm vorhanden sein könnten, freier Stickstoff neu bilden könnte. Ich habe indessen bei einer Kritik dieser Arbeit 2 ) zeigen können, daß dieser Schluß auf groben Irrtümern beruht, daß vielmehr die Zahlen der genannten Autoren keinen Schluß auf eine Neubildung von Stickstoff zulassen. Mir erschien überhaupt die bisher allgemein angewandte Methodik, *) Schittenhelm und Schroeter, Ober die Spaltung der Hefenucleinsäure durch Bakt, Diese Zeitschrift, Bd. XL, S. 70. 2 ) Oppenheimer, Angebl. Stickstoffgärung durch Fäulnisbakterien, Diese Zeitschrift, Bd. XLI, S. 3.
doi:10.1515/bchm2.1906.48.3-4.240 fatcat:q7zvh4uva5egdf4w4gblz47poi