Max Sänger

1903 Gynecologic and Obstetric Investigation  
den er als einen seiner hervorragendsten Schüler sah. Hatte Sänger dadurch die Möglichkeit gewonnen, an dem grossen Material unter den Augen des von ihm allzeit innigst verehrten Lehrers zu arbeiten, so nahm er auf häufigen Wanderschaften Fühlung und Einsicht in das Arbeiten auch der anderen Führer unseres Faches, dessen Entwickelung gerade damals so energisch einsetzte. In reger Wechselwirkung mit seinen Kollegen in der pathologischen Anatomie, Idinisclien Medizin, Neurologie wuchs sich Sänger
more » ... bei steter, streng kritischer Verarbeitung des ihm reichlich zuströmenden Materials rascb auf alien Gebieten unseres Faches aus. Seine nie ermüdende Arbeitskraft, sein klarer und treffender Blick in die eifrig verfolgte Litteratur ermöglichten ihm, eine Fülle origineller Gedanken, denen er beredten und überzeugenden Ausdruck gab, auszureifen. Freudig bekannte er sich dazu, dass ihm aus dem wissenschaftlichen Leben der geburtshülflichen Gesellschaft von Leipzig, ebenso auch der anderer wissenschaft-licher Vereine, der grossen internationalen gynäkologischen und medizinischen Kongresse stets eine Fülle von Anregungen zu Teil wurde, wie er aucL selbst überall aus der Fülle seines Geistes und Wissens und aus seinen reichen Erfahrungen originelle und an-regende Beiträge mitbrachte. -Ich überlasse es gern unserem gemeinsamen Freunde A. von Rosthorn, Sanger's wissenschaftliche Bedeutung für die Leser unserer Monatsschrift zu würdigen. Mir sei es vergönnt, heute hier des Freundes und Mitarbeiters zu gedenken, wie er sich mir als gleichstrebender Genosse in der gemeinsamen Arbeit an unserer Moiiatsschi·ift in treuer, freundschaftlicher Offenheit gab und während der leider nur zu kurzen Jahre unserer gemeinsamen Thätigkeit unentwegt bewährt hat. Sänger beherrschte, wie wohl kaum ein Zweiter, unsere Wissenschaft und ihre Litteratur in alien ihren Entwickelungs-stadien, Er hatte ein feines Gefühl für alle neuen Anregungen^ in denen er mit kritischem Blick den wertvollen Kern rasch er-fasste und treffend clem Schatze unseres Wissens und Könnens einzureihen verstand. Mit dieser hohen Einsicht verband er eine grossherzige Auffassung der Ziele der Monatsschrift, von denen er in seinen autobibliographischen Aufzeichnungen hervorhebt, "dass sie dazu dienen solle, ein Bild der Entwickelung der Geburts-hülfe und Gynaekologie in alien ihren Teilen und in alien Kul·turstaaten wiederzuspiegeln". Max Sänger. 133 Sanger's Persönlichkeit war nach meiner Auffassung für die Monatsschrift von ausserordeπtlichem Werte, denn wo auch. imnαer die Fachgenossen mit ihm in Beríihrαng gekommen waren, das Anregeude seines Wesens, sein liebenswürdiges Eingehen auf die Interessen Aller, das Jmponierende seiner Thätigkeit in Leipzig selbst, zu der sich von alien Seiten die Kollegen drängten, das fesselte und verband unsere Fachgenossen auch mit unserer Monatsschrift und hat gewiss nicht wenig dazu beigetragen, uns so sclmell Freunde und Mitarbeiter zu werben. Mit seinem lebhaften Interesse an alien Bestrebungen auf unserem Gebíete sichtete er das uns Dargebotene streng, schob das Gute voran, wehrte unerbittlich Minderwertiges ab. Ver-bindlich in der Form, wusste er sachlich, mutvoll und thatkräftig in den Kontroversen sich zu geben, die sich naturgemäss auch in die Entwickelungsgeschichte der Monatsschrift hineingeflochtes haben. Treu und wahr, streng gegen sich selbst, war er immer bereit, die Gründe Anderer zu prüfen und ihrer Berechtigung sich nicht zu verschliessen. So war er bei unserer gemeinsamen Arbeit, die sich namentlich, so lange wir räumlich so nahe standen, in unseren häufigen Zusammenkünften vollzog, stets arbeitsfreudig und fördernd, unermüdlich darauf bedacht, jeder Anregung nachzugehen und ihren richtigen ΛVert zu erkennen, um sie auch in der Monatsschrift zu treffendem Ausdruck zu bringen. Es ist allseits bekannt, wie Sänger in dem Kreise seiner Leipziger Kollegen der nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Bedeutung, sondern auch wegen der Lauterkeit und Yornehmheit seiner Gesinnung und Bescheidenheit allseits verehrte Mittelpunkt aller kollegialen Bestrebungen geworden ist. Wie er auf seine Klienten einen nachhaltigen Eindruck machte, sodass sie bei ihm allzeit lebhaftestes persönliches Entgegenkommen zu finden sicher waren, so Λvurde auch im Kreise seiner Kollegen Sänger der gegebene Führer und Berater. Dass er aus einer ganz ungewöhnlichen Stellung als Forsch er und Gelehrter, Lehrer, Arzt und Kollege sich durch die magnetische Kraft des Prager Lehrstuhles hinwegziehen liess, entsprach seinem innersten Bedürfnis, nicht nur der Gynaekologie, sondern auch der Geburtshülfe gleichmässig sich widmen zu können; solche Gelegenheit bietet eben nur die Lehrkanzel einer deutschen Universität. Der Erfolg, welchen er in der kurzen Zeit seiner ΛVirksamkeit in Prag nach beiden Kichtungen hin erzielt hat, ist der Beweis, wie Sänger, von der Zusammen-10* 134 Max Sänger, gehörigkeit der beiden Zweige unseres Faches überzeugt, auf beiden als Meister sick zα bewegen verstand. Mitten in einer rastlosen Tbätigkeit, nack oft fast vollständig durckarbeiteten Näckten katte sick Sänger eine voile Empfäng-lickkeit für das Glück seines überaus reizvollen Familienlebens und den Sinn für alles Scköne und Edle in Kunst und Wissen-schaft bewakrt. Mit selbständigem Urteil auf alien Gebieten der sckönen Künste, Freund scköner Musik, die in seiner Gattin eine so überaus sympatkiscke Repräsentantin fand, nakm Sänger vollen Anteil an alien Bewegungen und Strebungen auck im ö¢fentlicben Leben, in Kunst und Wissensckaft. So wurde das Zusammensein mit ikm für alle, die das Glück batten, ikm näker zu treten, jederzeit erfreulick und anregend. Sein treffender Witz, seine reick fliessende poetiscke Ader, seine bewunderungswürdige Litteratur-und Sprackkenntnis mackten ikn zum überaus anziekenden Genossen in alien Lebenslagen. Wie oft kabe ick das empfunden, wenn ick mit ikm, sei es in Berlin, sei es in Leipzig, neuen Kunstwerken gegenüberstand, wenn ick mit ikm durck die sckottiscken Hocklande zog oder in den vertrauten Gefilden des Tepltkales wandelte, wenn wir am käuslicken Herd in emsiger Arbeit das Wokl und Gedeiken unserer gemeinsamen Scköpfung erörterten, wenn wir zu gemein-samer Arbeit auf andern wissensckaftlicken Gebieten zusammen-traten. Dass nickt ick allein eine solcke Fül·le freundsckaftlicker Anregung von ikm empfand, das kat mir nickt erst die Er·fakrung der letzten Jakre bestätigt: wo auck immer ick seit seinej· Erkrankung mit Kollegen und Freunden zusammengetiOffen bin überall äusserte sick lebkafte
doi:10.1159/000283781 fatcat:yz2ase52dbbbfi5hk43yrqhkde