Victor Mauer, Brückenbauer. Großbritannien, die deutsche Frage und die Blockade Berlins 1948–1949, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2018, 573 S. (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London/Publications of the German Historical Institute London, 80), EUR 69,95 [ISBN 978‑3‑11‑058442‑4]

Winfried Heinemann
2019 Militärgeschichtliche Zeitschrift  
Man kann die Geschichte der Internationalen Beziehungen als die Geschichte der Interaktion mehrerer Partner schreiben. Dann wird man in der Regel die Binnenstrukturen der beteiligten Staaten außer Acht lassen müssen, um die Darstellung nicht völlig unüberschaubar werden zu lassen. Innenpolitische, gesellschaftspolitische, auch wirtschaftspolitische Aspekte fallen so häufig unter den Tisch. Victor Mauer geht in seiner Dissertation den umgekehrten Weg. Er fragt nach der Rolle der verschiedenen
more » ... er verschiedenen Akteure innerhalb eines der beteiligten Länder, und zwar Großbritanniens. Welche Faktoren wirkten auf die britische Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland ein, wer war an der Formulierung von Außen-und Sicherheitspolitik beteiligt, und wie liefen die Prozesse ab? Einem solchen konventionellen Ansatz entsprechend, ist sein Band auch klassisch-chronologisch aufgebaut. Er zeigt, wie die Entscheidung der Alliierten, nach dem Scheitern des Vier-Mächte-Systems einen eigenen Weststaat zu schaffen, in Moskau die Suche nach Gegenmaßnahmen auslöste. Stalin ging offenbar davon aus, dass Berlin die Schwachstelle der Westalliierten sei, und dass diese ihre Position dort nicht würden behaupten können. Mauer stellt hier Ernest Bevin, den britischen Labour-Außenminister, als denjenigen dar, der fast allein den strategischen Weitblick besaß zu erkennen, dass es um die grundsätzliche Frage der Glaubwürdigkeit des Westens ging. Nicht General Lucius D. Clay und die Amerikaner waren es, und auch nicht der ewig-skeptische britische Militärgouverneur in Deutschland, Sir Brian Robertson, sondern das Foreign Office, das hier Standfestigkeit predigte. Angesichts von Mauers Quellenauswahl und Forschungsansatz kann es nicht ausbleiben, dass hier immer wieder die Briten als zentrale Player im internationalen Konzert benannt werden. Dabei gesteht ja auch Mauer zu, dass die Truman-Administration häufig versucht war, sich mit den Sowjets über die Köpfe ihrer Verbündeten hinweg zu arrangieren. Die erfahreneren und weiseren Mandarine im Foreign Office konsta-MGZ 78/2 (2019): 574-576 OLDENBOURG MGZ,
doi:10.1515/mgzs-2019-0113 fatcat:jk2urru5rzclvp6wkeyt422kte