Das diffuse Dreieck: Heimat, Kultur und Nachhaltigkeit [chapter]

2020 Jahrbuch für Kulturpolitik 2019/20  
Was verbindet die drei Begriffe »Heimat«, »Kultur« und »Nachhaltigkeit«? Sie alle sind Thema manch hitziger Debatte und werden im politischen Raum immer wieder aufgerufen. Doch wie verknüpft die Politik diese Themen? Für Kultur leistet sich die aktuelle Bundesregierung mit Monika Grütters eine eigene Staatsministerin, die Heimat ist neuerdings dezidiert in einem Ministerium zu Hause: Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat unter Horst Seehofer hat zwar eine interessante
more » ... essante Themenkombination, mit einem parlamentarischen Staatssekretär für »Bau, Wohnen, Stadtentwicklung, Heimatpolitik, politische Bildung und Ehrenamt«, aber bislang heimatpolitisch kein wirkliches Profil. Allein die Nachhaltigkeit kommt auf Bundesebene völlig ohne Ministerin oder Minister aus. Gerade mal zu einem machtpolitisch einflusslosen »Rat für Nachhaltige Entwicklung« hat es gereicht. Drei Begriffe also, die in der repräsentativen Politik ganz unterschiedlich verankert sind. Gemeinsam haben sie jedoch eine ganz wesentliche Eigenschaft: eine weitgehende inhaltliche Beliebigkeit. Betrachten wir die einzelnen Begriffe genauer, wird zudem schnell klar, dass sie zwar wenig konkret, aber inhaltlich ganz unterschiedlich dominiert sind. Von der Nachhaltigkeit zur Beliebigkeit Beginnen wir mit der Nachhaltigkeit. Dem deutschesten der drei Begriffe -was den ein oder anderen immer wieder überrascht. Es stimmt: Die Nachhaltigkeit wurde in Deutschland erfunden. Der Begriff wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 1 zurückgeführt, in der er von der »nachhaltenden Nut-
doi:10.14361/9783839444917-022 fatcat:aw5mjqu66fekbkbdihjmvxduoy