Der Gänscsäger als Brutvogel Schlesiens

Ernst
unpublished
Blattläusen nur eine Notnahrung der Kohlmeisen sieht, der aber besonders in ausgedehnten Kiefernrevieren (Kohlmeise I im Fichtenbestand hatte nur Reste von Blattläusen im Magen) während der kältesten Jahreszeit die Rolle der "eisernen Ration" zukommen mag. Das Brutgebiet des Gänsesägers in Deutschland erstreckt sich südlich bis nach Nordschlesien. Es ist aber immer eine Besonderheit gewesen, wenn Nachrichten über das Brüten dieses schönen nordischen Vogels in unserer Heimatprovinz auftauchten.
more » ... ovinz auftauchten. Gloger scheint ein Brutnachweis nicht bekannt geworden zu sein, doch Robert und Louis Tobias berichten, daß 1844 bis 1847 Gänse-säger an der Oder bei Saabor, Krs. Grünberg, gebrütet haben. 1879 schreibt L. Tobias sogar, daß der Gänsesäger in Niederschlesien "nicht selten" brüte. William B a e r hat 1891 an der Oder im Bereich des Staatsforstamtes Tschiefer (jetzt Zollbrücken) festgestellt, daß der Säger dort häufiger als Brutvogel vorkommt und daß der Förster Hof f man n, Försterei Oderbrücke, öfters Nester und Dunenjunge gefunden habe. Da neuere Nachrichten nicht vorliegen, kann man annehmen, daß der Gänse-säger auf diesem unteren Teil der schlesischen Oder und zwar etwa bis Carolath heute nur noch im allgemeinen seltener Brutvogel ist. Von Carolath an oderaufwärts, also südlicher, sind bisher nur zwei Brutplätze bekannt geworden. Der erste ist Kottwitz (jetzt Jungfernsee). Krs. Breslau. Von dort erhielt K ollibay am 11. Juni 1900 von Förster S c h r o et er ein Weibchen und ein Dunenjunges. Dieser Fall ist deshalb von besonderem Interesse, da er als das südlichste Brutvorkommen des Gänsesägers in Deutschland überhaupt bekannt ist. Den zweiten Brut-nachweis konnte ich im April 1918 führen, als ich bei Weidisch, Kreis Glogau, ein Nest mit 12 Eiern fand und das Weibchen mit dem Gelege im Lichtbild festhalten konnte. ("Berichte Verein Schles. Ornithologen", XVI, 1931.) Nun hat 1938 wieder einmal ein Gänsesäger an der Oder gebrütet und zwar bei Eberwald (früher Golgowitz), etwa 1 km unterhalb der Bartschmündung. Am 8. Juni d. Js. machte ich eine Bootsfahrt und bekam zunächst in der Höhe von Sabor, Krs. Glogau, 4 Gänsesägerweibchen zu Gesicht, die sich auf einem Buhnenkopf sonnten. (Noch nicht geschlechts-reife Tiere einer Brut von 1937?!) Kurz oberhalb der Fähre Eberwald sah ich dann ein Sägerweibchen mit 10 Dunenjungen in einem Buhnenfeld schwimmen. Die Tiere waren vertraut und gingen auch bald auf einen Buhnenkopf. Dort lagen die Jungen auf den heißen Steinen der Sonnen-seite, während das alte Weibchen etwas höher saß, um Blickfeld nach beiden Seiten zu haben. Während es mir vom Lande aus nicht gelang, näher als auf etwa 80 m heranzukommen, konnte ich die ganze Familie auf 10 m beobachten, als ich mich im Strom schwimmend, langsam an der Buhne vorbeitreiben ließ. Das Alter der Jungvögel schätzte ich auf etwa 3 Wochen. Auf der Rückfahrt mit dem Boot konnte ich noch zwei weitere Gänse-säger und diesmal sogar ein Paar beobachten. 97
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