Götz Arnold: Darstellung und Wirkungsweise des Clownesken zwischen 'kritischer Selbstreflexion' und 'Unterhaltung' am Beispiel von F.J. Bogners Clown-Theater 'Sisyphos'

Frank Sauer
1993
und Wirkungsweise des CJownesken zwischen 'kritischer Selbstreflektion' und 'Unterhaltung' am Beispiel von F.J. Bogners Clown-Theater 'Sisyphos' Frankfurt/M.: Wilfried Nold 1991, 262 S., DM 38,-"Bogners Clowntheater" -das ist mehr als nur Theater mit einem Clown namens Bogner. Götz Arnold stellt einen Kleinkünstler vor, der in seinen Programmen Einzigartiges bietet: 'Theater', Lust, Reflektion, Analyse, Denken, Lachen, Emotionen. Bogner thematisiert in seinem Clowntheater Verhaltensmuster und
more » ... rmen im Alltag, aber auch jene, die das Verkehrsverhältnis "Theater" bestimmen. Und vor allem diese zweite Ebene, sein Meta-Theater, ist es, was ihn selbst und auch das Publikum immer wieder auf die momentane Situation zurückwirft: auf gesellschaftliche Erwartungshaltungen, theaterspezifische Voreinstellungen und auf den Fluß der Emotionen zwischen Bühne und Publikum. Bogners Leitbegriff ist hierbei die "Würde" -die des Schauspielers, die des Clowns und die des Zuschauers. Dabei geht er von der folgenden, auch stark biografisch geprägten Grundsituation aus: Gesellschaftliche Normen und Tabus bestimmen die Erziehung des Menschen, die nicht selten Deformationen und Frustrationen und -als Folge davon -Kompensationsverhalten hervorruft. Der daraus resultierende psychische Zustand kondensiert in Körperhaltungen. Und eben diese stellt Bogner dar, thematisiert aber gleichzeitig ihre Dargestelltheit und schlägt so einen Bogen vom Bühnengeschehen zur alltagsweltlichen Körpererfahrung des Publikums. Die situationsimmanent im Theater noch existierende Distanz, die letztendlich Lachen ermöglicht, verringert sich durch diesen Brückenschlag. "Es wird immer schwerer, je mehr ich sage, weshalb ma'lacht,-: es geht nachher überhaupt nimmer", sagt Bogner in seinem Programm. Immer wieder wird so das Lachen verdrängt von einer Betroffenheit, die Bogner erzeugt, ohne dabei schulmeisterlich zu wirken, denn trotz seines aufklärerisch-moralischen Impetus gelingt es ihm, sich selbst als Mit-Opfer der gesellschaftlichen Realität einzubeziehen: Er ist verletzlich, · macht sich auf der Bühne angreifbar, indem er die Macht, die das Publikum dem Schauspieler vorschießt, sobald er die Bühne betritt, entblößt. Eben dadurch verweigert er sich dieser Machtposition. · Götz Arnold betritt mit seiner Dissertation insofern wissenschaftliches Neuland, als die Kommunikation zwischen Bühne und Publikum bisher in der theaterwissenschaflichen Literatur weitgehend vernachlässigt wurde. In einer auf drei Aspekte ausgerichteten Aufführungsanalyse versucht er, diesem zentralen Thema nahezukommen: Da ist zunächst Bogners Clownfigur. Diese benutzt zwar die Wirkungsmechanismen des Komischen /
doi:10.17192/ep1993.1-2.4903 fatcat:ezixfp4myzafboebzypazsv5ay