Mehr als ein Fusspilz

Ursula Mller, Jrg Schmidli
2021 Primary and Hospital Care  
a Hausärztin praxis47, Spiez; b FHM Dermatologie, Spiez «Meine Füsse jucken. Ist das Fusspilz?» Diese Frage hören Hausärzte oft in der Sprechstunde, häufig auch als «Nebenschauplatz» im Rahmen eines anderen Konsultationsgrunds. Die Diagnose einer Tinea pedis, ausgelöst durch Dermatophyten, wird häufig gestellt. In Deutschland mussten 2018 die gesetzlichen Krankenkassen 89 Mio. Euro für topische Antimykotika aufwenden [8]. Die Mehrheit der Fälle spricht gut auf eine topische Behandlung an.
more » ... he klinische Befunde bei Tinea pedis sind die Einseitigkeit des Befunds, die scharfe Begrenzung, die Randbetonung sowie die interdigitale Schuppung. Was aber, wenn die initial einseitig aufgetretene Hautveränderung kurz nach Behandlungsbeginn in ähnlicher Form am anderen Fuss und auch an den oberen Extremitäten auftritt? Fallvignette Die bisher gesunde 50-jährige Familienfrau stellte sich mit einer seit mehreren Tagen bestehenden, stark juckenden papulösen Hautveränderung am rechten Fussrücken in der Hausarztpraxis vor. Der Lokalbefund am rechten Vorfuss zeigte sich bei Erstvorstellung eher unspektakulär mit trockenen Hautverhältnissen und einzelnen, kaum geröteten Papeln. Die interdigitale Schuppung zwischen Dig. I und II (Abb. 1) war der Patientin bisher nie aufgefallen und stand in der ersten Konsultation nicht im Zentrum. In der Anamnese fanden sich keine bekannten Allergien, internistischen Grunderkrankungen, vorausgehenden Hautprobleme oder Hinweise auf Atopie. Die kürzliche Einnahme von Medikamenten, Tierkontakte sowie Auslandaufenthalte wurden verneint, ebenso wie bisherige Fusspilzerkrankungen. Auch lokale Auslöser wie das Tragen neuer Schuhe, die Verwendung von Salben, Cremes, Lösungen etc. wurden verneint. Das aktuell benutzte Duschgel und Waschmittel wurde in letzter Zeit nicht geändert. Die Patientin fühlte sich insgesamt gesund und verneinte Allgemeinsymptome. Auf eine ausgedehnte internistische Untersuchung wurde angesichts des initial lokalisierten Befunds bei fehlenden Hinweisen auf eine systemische Ursache der Effloreszenz verzichtet. Mit der Arbeitshypothese «dyshydrosiformes Ekzem» wurde eine topische Behandlung mit Betnovate-C ® (Betamethason, Clioquinol) 2× tgl. begonnen. Kommentar Das Bild einer Tinea pedis ist allgemein gut bekannt und die Prävalenz hoch [7]. Gleichzeitig liegt nicht bei jedem Patienten, der sich mit Verdacht auf Fusspilz vorstellt, auch tatsächlich einer vor. Die hier geschilderten papulösen, stark juckenden Hautveränderungen und die Verneinung von Fusspilz in der bisherigen Anamnese führte dazu, dass die eigentlich pathognomonische interdigitale Schuppung bei der Erstkonsultation nicht beachtet wurde. Die Papeln wurden unter dem Eindruck des starken Juckreizes als beginnende vesikuläre Läsionen interpretiert und ein dyshydrosiformes Ekzem diagnostiziert, obwohl keine dyshydrotischen Bläschen vorlagen. Weitere Differentialdiagnosen [2] wie beispielsweise ein toxisches oder allergisches Kontaktekzem (keine eruierbaren Auslöser), eine Prurigo simplex (zu kurzer Verlauf, hier vorliegende entzündliche Komponente) oder Juckreiz im Rahmen einer internistischen Grunderkrankung wurden mangels anamnestischer oder klinischer Hinweise nicht in Betracht gezogen.
doi:10.4414/phc-d.2021.10352 fatcat:pg5q2yocf5g5biv2vjoqab6zvm