Hans Patze (1919-1995)

Peter Johanek, Vorträge Und Forschungen
2014
Hans Patze, dessen Aufsätze hier an der Schwelle eines neuen Jahrtausends noch einmal in einer kompakten Auswahl der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, hat während ei nes Viertel]ahrhunderts, von etwa 1960 bis 1985, eine führende Stellung in der deutschen Landesgeschichtsforschung und in der Forschung zur Geschichte des Mittelalters einge nommen. Sein OEuvre, dessen viele Facetten in der hier getroffenen Auswahl deutlich wer den können, markiert einen Höhepunkt und gleichzeitig auch so
more » ... ichzeitig auch so etwas wie den S chluß punkt einer Wissenschaftstradition innerhalb der deutschen Landesgeschichtsforschung, die lange Zeit auch die Arbeit des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschich te und seine Tagungen auf der Insel Reichenau entscheidend geprägt hat. So kommt dieser Aufsatzsammlung auch wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung zu, indem sie es erlaubt, die Arbeitsweise dieses Gelehrten in ganzer Breite und großer Geschlossenheit zu erfassen. Hans Patze, der am 20. Oktober 1919 in Pegau in Sachsen geboren wurde, nahe der Grenze Thüringens, dem ein beträchtlicher Teil seiner wissenschaftlichen Lebensarbeit gelten sollte, wuchs in Leipzig auf, wo er das Gymnasium im Stadtteil Lindenau besuchte und dort das Abitur ablegte. Diese Kindheit und Jugend in der Zeit der Weimarer Repu blik und der beginnenden nationalsozialistischen Herrschaft mit den gerade in Leipzig spürbaren politischen Auseinandersetzungen haben Hans Patze ebenso stark geprägt, wie der unmittelbar an das Abitur anschließende Einsatz in Arbeitsdienst und Wehr macht, der ihn die Okkupation der Tschechoslowakei, den Einmarsch in Polen und den Frankreichfeldzug im Frühjahr 1940 miterleben ließ. In Frankreich wurde er im Mai 1940 westlich Sedan so schwer verwundet, daß er nach der Ausheilung 1941 aus der Wehr macht entlassen wurde. Bereits während seines nahezu einjährigen Lazarettaufenthalts in Frankfurt am Main begann er an der dortigen Universität ein Studium der Geschichte, der klassischen Philologie, Kunstgeschichte und Germanistik, das er vom Wintersemester 1941/42 an in Jena fortsetzen und noch kurz vor Kriegsende im Februar 1945 mit dem DoktorExamen abzuschließen vermochte. Noch einmal griff der Krieg nach ihm, bei Frankfurt am Main geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, verbrachte etwa ein Jahr in den französischen Kriegsgefangenenlagern Le Mans, Cherbourg und Caen, ver weilte 1946 nach der Entlassung einen kurzen Zeitabschnitt am Lippischen Landesarchiv in Detmold und kehrte dann in die SBZ nach Jena zurück.
doi:10.11588/vuf.2002.0.17569 fatcat:qigv7ueu7vgmlfnzkb7tlgmk5m