5 Zusammenfassung und Fazit [chapter]

2020 Kasus im Korpus  
Ziel dieser Arbeit war es, die strukturelle und geographische Gliederung eines oberdeutschen Kasussystems zu analysieren und so einige der zahlreichen noch offenen Fragen zum Ausdruck der Kategorie Kasus in den deutschen Dialekten zu beantworten. Ein Überblick über die Entwicklung des (ober)deutschen Kasussystems hat starke Nivellierungstendenzen beim formalen Ausdruck der Kasus gezeigt: Synkretismus betrifft einen großen Teil der verschiedenen kasustragenden Wortarten, die sich auf Grundlage
more » ... ich auf Grundlage der Kombination von nominaler und konkordialer Kasusmarkierung herausgebildet haben (vgl. 2.2.2). Ziel der strukturellen Beschreibung des untersuchten Kasusdiasystems war es daher, zu ermitteln, durch welche Strukturen und zu welchem Ausmaß abstrakte Kasus im Diasystem distinkt markiert werden. Angelehnt an die Tradition der strukturellen Dialektologie und unter Zuhilfenahme der kanonischen Typologie konnten Nominativ, Akkusativ und Dativ als die abstrakten Kasus angesetzt werden, die im Kasusparadigma des Diasystems formal markiert werden. Typologisch hat sich das untersuchte System damit als atypisch erwiesen. Angelehnt an die Kasushierarchie in Blake (2001) ist bei einem 3-Kasussystem eher vom Erhalt eines synthetischen Genitivs anstatt eines Dativs auszugehen. Die formale Markierung von Kasus stützt sich im untersuchten oberdeutschen Diasystem zum größten Teil auf eher suppletive Strukturen (vgl. 4.2.1 und 4.2.2). Diese Erkenntnis ist insbesondere für die theoretische Fundierung der Analyse (dialektaler) deutscher Kasussysteme relevant: Traditionelle Arbeiten basieren häufig auf morphembasierten Modellen der Analyse morphologischer Strukturen. Diese Modelle konzentrieren sich stark auf overte Kasusmarkierung, d. h. auf additive morphologische Verfahren, und sind damit nicht auf die Eigenschaften des untersuchten Diasystems zugeschnitten. Der wortbasierte Ansatz dieser Arbeit, der nicht overte Marker, sondern formale Unterscheidung als Kennzeichen der Kasusdistinktion ansetzt (vgl. dazu 3.3.1 und 3.3.4), hat sich daher als passenderes Modell für (dialektale) deutsche Kasussysteme erwiesen. Es hat sich gezeigt, dass Kasusdistinktion stark von anderen morphologischen Kategorien abhängig ist. Insbesondere Genus, aber auch Numerus und Person, beeinflussen die Muster der Kasusmarkierung. Dabei gliedern sich die einzelnen Muster innerhalb dieser Kategorien wie folgt: Die 3. Person tendiert primär zum
doi:10.1515/9783110681703-005 fatcat:oazhht566jewhjevqimnwhrxxi